Lonsee 75 Jahre Naturschutzgebiet Salenberg: Gesang der Heuschrecke

Dr. Heiko Bellmann (Mitte, kariertes Hemd) zeigte den Besuchern am Samstag die Vielzahl an Insekten, die am Salenberg leben.
Dr. Heiko Bellmann (Mitte, kariertes Hemd) zeigte den Besuchern am Samstag die Vielzahl an Insekten, die am Salenberg leben. © Foto: Carolin Hitzigrath
Lonsee / CAROLIN HITZIGRATH 01.10.2013
Der Gesang der Heuschrecke entsteht, weil das Insekt seine Beine am Körper reibt. Das und noch mehr Interessantes erfuhren Besucher beim Fest zum 75-jährigen Bestehens des Naturschutzgebiets Salenberg.

"Unten am Salenberg steht ein Schild mit dem Hinweis, dass die Heide bereits seit 1938 Naturschutzgebiet ist." Das sagte Marianne Prinzing am Samstag anlässlich des Festes zum 75-jährigen Bestehens des Naturschutzgebietes. Dass in einer geschichtlich betrachtet solch kritischen Zeit überhaupt ein Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde, findet sie bemerkenswert. Die Lonseer Kommunalpolitikerin und Kreisrätin für Bündnis 90/Die Grünen hatte den Tag organisiert. "Weil oft nur die Probleme diskutiert werden, soll heute einmal der Naturschutz gefeiert werden."

Trotz des hartnäckigen Nebels kamen am Samstag zahlreiche Besucher, um sich rund ums Lonseer Sportheim Ausstellungen und Info-Stände des NABU, des BUND, des Schwäbischen Albvereins, des Bezirksimkervereins, des Regierungspräsidiums Tübingen und von Schulen aus der Umgebung anzusehen. Zudem wurden Führungen über die Wacholderheide, Spiele für Kinder und Kulinarisches aus der Region angeboten.

Dr. Heiko Bellmann leitete eine der Führungen durch den Salenberg: Der Biologe an der Universität Ulm lebt seit 24 Jahren in Lonsee, kennt nach eigener Aussage die Gegend aber nicht wesentlich besser als andere. "Man neigt dazu, sich in der nächsten Nähe am wenigsten auszukennen", sagte er mit einem Grinsen. Bellmanns Spezialgebiet sind Spinnen und Insekten, daher fing er mit den rund 30 Teilnehmern beispielsweise Heuschrecken, bestimmte deren Geschlecht und Art. In Gläschen konnte man die Tiere aus der Nähe begutachten.

Nicht nur die unterschiedlichen Merkmale der Heuschrecken wurden bewundert, Bellmann erzählte auch einiges über die Mechanik der Heuschreckengesänge: Durch die Reibung der Beine am Körper werde der typische Ton erzeugt. Besonders spannend fanden viele die Wolfsspinnen, von denen ebenfalls ein Exemplar gefangen wurde: "Sie trägt den Kokon auf ihrem Rücken herum", sagte Bellmann. Wenn sie diesen verliere, suche sie sich einen Ersatz in der entsprechenden Größe. "Meine Frau hat mal eine Wolfsspinne mit einem Schneckenhaus auf dem Rücken gefunden", erzählte der Biologe. Ebenso erfuhren die Exkursionsteilnehmer, dass der Ohrwurm erst vor Kurzem beim Fliegen beobachtet wurde. Bis dahin habe man geglaubt, dass diese, in Schwaben "Ohrenpfitzler" genannten Insekten, nicht fliegen können.

"Wahnsinn", sagte eine der Besucherinnen: "Was hier alles auf kleinster Fläche lebt." Die eingefangenen Krabbler wurden übrigens nach der Führung alle wieder in die Freiheit entlassen.