Forschung 20 Jugendliche aus fünf Ländern erforschen Höhlen in Seißen

Leo Bauer, Alexander Mendel und Pascal Grotmann (von links) erforschen und vermessen die Impferensteinhöhle im Tiefental bei Seißen.
Leo Bauer, Alexander Mendel und Pascal Grotmann (von links) erforschen und vermessen die Impferensteinhöhle im Tiefental bei Seißen. © Foto: Joachim Striebel
JOACHIM STRIEBEL 12.08.2014
Interessante Höhlen, schöne Umgebung, nette Menschen: So beschreiben die 20 Teilnehmer das Internationale Jugendhöhlenforschungslager.

Uros Ilic ist Ausbildungsleiter der Höhlenrettung in Slowenien. Sein Einsatzfahrzeug ist geschmückt mit dem Symbol des Grottenolms, jenes farblosen Lurchs, der in der 21 Kilometer langen Höhle von Postojna lebt. Die Schwäbische Alb hat weder einen Grottenolm noch Höhlen von dieser Größe zu bieten. Dennoch sind Uros Ilic und die sechs 14- bis 16-Jährigen, die mit ihm angereist sind, begeistert vom Internationalen Jugendhöhlenforschungslager in Seißen. "Manches lernt man nur hier", sagt Ilic. Beispielsweise die Anwendung von Elektronik, mit der Vermessungen vorgenommen, Daten drahtlos übermittelt oder bestimmte Punkte in der Höhle von außen "gepeilt" werden können.

Der 15-jährige Den Vrhovnik ist deswegen schon zum zweiten Mal beim Internationalen Camp dabei, das der Höhlenverein Blaubeuren alle zwei Jahre ausrichtet. Die Leute seien sehr nett, das Programm ansprechend, sagt der junge Slowene, der schon als Experte für Seiltechnik gilt. Auch für Agnieszka Noculac, 26-jährige Physikstudentin aus Polen, war es kein Problem, sich in die Tiefe des "Steeb-Schachts" bei Wennenden abzuseilen und mit der so genannten Einseiltechnik per Steigklemmen später auch den Ausgang wieder zu erreichen.

Außer Teilnehmern aus Slowenien und aus Polen haben junge Leute aus der Schweiz, aus der Ukraine und aus Deutschland ihre Zelte rund ums Gebäude des Höhlenvereins Blaubeuren am ehemaligen Seißener Skihang aufgeschlagen. Für Leiterin Petra Boldt aus Schmiechen, die sich seit 28 Jahren für die Sache stark macht, ist der Erfahrungsaustausch unter jungen Forschern verschiedener Nationen ein wichtiger Aspekt. Höhlenforschung habe eine internationale Dimension, ebenso die Höhlenrettung, wie sich jüngst bei der großen Aktion für den in der Riesending-Höhle bei Berchtesgaden verunglückten Forscher gezeigt habe. Beim Jugendhöhlenforschungslager seien in der Vergangenheit viele Freundschaften entstanden. Enttäuscht ist Petra Boldt, dass diesmal keine Zuschüsse aus Brüssel bewilligt wurden. So ist sie dankbar für alle Hilfe: Die Seißener Ortsvorsteherin Barbara Rüd kocht in der Halle warmes Essen, die Hausmeisterin spendet Kompott und Marmelade, der örtliche Pizzabäcker eine Mahlzeit für alle.

Die meisten Gruppenleiter kommen aus den Reihen des Höhlenvereins Blaubeuren, ebenso Helfer, die selbst noch im Jugendalter sind. Arndt Karger (16) bringt sich ein bei Kursen in Biologie und Fotografie, Butrint Pacolli (16) aus Blaubeuren bei Elektronik und Hydrologie. Er begleitete vergangene Woche eine Gruppe in die Blaubeurer Vetterhöhle, die sich mit ihrem Höhlensee "Wolkenschloss" nicht vor slowenischen Höhlen verstecken muss. Butrint Pacolli berichtet von einer Schlauchbootfahrt mit den Gästen: "Die konnten es gar nicht fassen."