Albershausen Abstimmung füllt das Haus

Einwohner verfolgen am Dienstagabend in der Mensa der Albert-Schweitzer-Schule die Erläuterungen der Bürgerinitiative, des Gemeinderats und der Verwaltung.
Einwohner verfolgen am Dienstagabend in der Mensa der Albert-Schweitzer-Schule die Erläuterungen der Bürgerinitiative, des Gemeinderats und der Verwaltung. © Foto: GIACINTO CARLUCCI
Albershausen / ANGELA SAKSCHEWSKI 12.09.2018
Die Gemeinde Albershausen will das „Jedermannswiesle“ für die Bebauung freigeben.

Demokratie bleibt ein mühsames Geschäft – dies zeigte sich am Dienstagabend bei der jüngsten Einwohnerversammlung zum Thema Bürgerentscheid in Albershausen: Die Gemengelage bei den rund 100 Besuchern war klar. Auf der einen Seite diejenigen, die sich „Allgemeinwohl ist wichtiger als Einzelinteressen“ auf ihre Fahnen geschrieben hatten, auf der anderen Seite die Bürgerinitiative und ihre Anhänger, welche versuchten, ihrem Wunsch nach mehr direkter Demokratie Ausdruck zu verleihen.

Der „Zankapfel“ in der zweieinhalbstündigen Diskussion: die Bebauung oder Nicht-Bebauung des „Jedermannwiesle“. Am Schluss waren sich alle nur über eines einig: Für das Bürgerbegehren am 26. Oktober wünscht man sich eine hohe Wahlbeteiligung, damit klar wird, was die Albershäuser wirklich wollen.

Auch auf dem Podium waren die Lager deutlich sichtbar: Bürgermeister Jochen Bidlingmaier, die Gemeinderäte Hermann Weiler (FWS), Roland Hirsch (BWV), Steffen Stelzer (SPD) und Uwe Seitz (FWS) sprachen sich in ihren Beiträgen dafür aus, dass die Bebauung – es handelt sich um sechs bis acht Plätze – in Angriff genommen wird, während sich die Vertrauensleute der Bürgerinitiative Sandra Kircher, Dietmar Frey, Knut Eichhorn und die Gemeinderätin Sandra Hildebrandt (CDU) dafür einsetzen wollen, dass „das letzte Stückchen gemeindeeigenes Grün im Wohngebiet“ erhalten bleibt.

Sandra Kircher skizzierte noch einmal kurz das Zustandekommen des Bürgerentscheids. So sei der Initiative ein Gespräch mit dem Gemeinderat verweigert worden, was letztendlich dazu geführt habe, dass man überhaupt ein Bürgerbegehren in die Wege geleitet habe. „Der Gemeinderat reagierte eher trotzig als verständnisvoll. Und es stimmt auch nicht, dass wir uns irgendwelche Unterschriften erschlichen haben. Jeder Unterzeichner wusste genau, um was es da geht“, meinte sie. Sie monierte, dass die Erlöse, die aus dem Grundstücksverkauf erwirtschaftet würden, nun plötzlich gebraucht würden, „damit die Hebesätze im Kindergarten nicht steigen“. Damit würden die Wähler unter Druck gesetzt, nicht mit „Ja“ zu stimmen.

CDU-Gemeinderätin Sandra Hildebrandt sagte: „Wären meine Kollegen im Gemeinderat gesprächsbereit gewesen, hätte es sicher auch eine andere Lösung als einen Bürgerentscheid gegeben. Aber eine Gemeinde wie Albershausen wird dieses demokratische Mittel gut aushalten.“ Roland Hirsch hingegen betonte: „Uns als Gemeinderatsgremium muss das Allgemeinwohl wichtiger sein als irgendwelche Einzelinteressen einiger Anwohner. Es geht doch hier nicht um das Zubetonieren einer Fläche, sondern um die Schaffung von dringend benötigtem Wohnraum.“

Steffen Stelzer hingegen wies auf die „Fragwürdigkeit“ dieses speziellen Bürgerbegehrens hin: „Viele wussten beim Unterzeichnen nicht, um welche Wiese es geht oder für was sie da ihren Namen hergegeben haben.“ Versöhnliche Töne hingegen kamen von Uwe Seitz (FWS): „Wir empfehlen den Bürgern auch mit „Nein“ zu stimmen, denn auf Dauer werden wir auf den Verkauf sowieso nicht herumkommen, aber vor allem hoffe ich, dass wir in der Gemeinde nach diesem Bürgerentscheid zurück zu einem friedlichen Miteinander finden werden“.

Gegner stimmen mit „Ja“, Befürworter mit „Nein“

Fragestellung „Sind Sie dafür, die als Wiese genutzten Bauplätze an der Ecke Im Morgen/Weinhaldenstraße (Flst. Nr. 1566) in 73095 Albershausen in den nächsten drei Jahren nicht zu veräußern, nicht zu bebauen und in dieser Zeit auch kein Verfahren zur Änderung des entsprechenden Bebauungsplans einzuleiten?“ steht am Sonntag, 16. September, auf dem Stimmzettel.

Quorum Wer die Bebauung verhindern möchte, muss mit „Ja“ stimmen, wer will, dass das Bauland genutzt wird, muss mit „Nein“ stimmen. Damit sich die Bürgerinitiative mit ihrem Anliegen durchsetzt, braucht sie die Mehrheit und mindestens 700 Stimmen.

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