Zwischen Wut und Verständnis bewegt sich der Gemütszustand der Fraktionsspitzen des Freiberger Gemeinderats nach der  Bewerbung von Bürgeremeister Dirk Schaible um den Landratsposten für den Bodenseekreis (die BZ berichtete).

Der dortige Bodensee-Landrat Frank Hämmerle möchte eineinhalb Jahre früher als geplant in den Ruhestand gehen, wie er im Oktober letzten Jahres seinem Kreistag erklärte.

Millionenprojekte stehen an

Eingeschlagen hat die Nachricht Schaibles in Freiberg wie eine Bombe. Denn gerade in diesem Frühjahr sollten die Bauarbeiten für die neue Oscar-Paret-Schule beginnen und  das ganze Stadtzentrum umgekrempelt werden, beides Millionenprojekte.

Die erste Reaktion war wohl Ratlosigkeit, wie übereinstimmend die Fraktionschefin Ute Kienzle (Freie Wähler) und CDU-Fraktionschef Willi Zimmer sagten, die schon vorab von Schaible informiert worden waren. „Ich war erst einmal sprachlos“, gestand Ute Kienzle. Und Willi Zimmer blieb die Spucke weg. „Wissen Sie auch, was Sie da tun?“, habe er Schaible nach einer Weile  gefragt. Umso mehr ärgerte ihn hernach der Schritt Schaibles. Schließlich war er als Bürgermeister-Stellvertreter der schärfste Gegner des Schulneubaus und blieb auch bis zum Schluss bei seiner Haltung. Umso größer ist jetzt seine Ohnmacht. „Das ist Ich-bezogen und unverantwortlich, diese Stadt über mindestens 35 Jahre in Schulden zu stürzen. Und auch nicht anständig gegenüber dem Gemeinderat, der ihm darin gefolgt ist“, lässt er verlauten. „Wenn man so ein großes Projekt anstößt, sollte man auch dabei bleiben.“

Auch die FDP-Fraktionschefin Carmen Dötterer und ihr Kollege Dr. Thomas Baum waren erstaunt und hätten sich gewünscht, dass sie das Großprojekt mit Dirk Schaible zu Ende führen könnten. Dass er in Konstanz seinen Hut in den Ring wirft, damit habe keiner rechnen können.

Andererseits hat Baum persönlich großes Verständnis für einen solchen Schritt, der auch eine Aufstiegschance bedeute, „in der Kommunalpolitik läuft das halt mal so“.

Führungsqualität bewiesen

„Das ist schade für Freiberg, denn er hat die Gräben überwunden, die diese Stadt einst gespalten haben“, ist sich Ute Kienzle  sicher, „und damit Führungsqualität bewiesen“. Mit Schaible sei viel erreicht worden. Allerdings hält auch sie den Zeitpunkt nicht gerade für günstig wegen des Umbaus der Ortsmitte, die er unter anderem angestoßen habe. Menschlich aber habe sie vollstes Verständnis, weil diesem Bürgermeister „eine Riesenchance in einer reizvollen Umgebung geboten wird“. Dazu müsste  Bürgermeister Dirk Schaible  am 25. März 2019 den einzigen Gegenkandidaten schlagen, der Zeno Danner heißt, 40 Jahre alt ist und Erster Landesbeamter der Kreisverwaltung Calw ist – und als gebürtiger Konstanzer ein „Heimspiel“ hat.