Land am Rand Zugfahrt durch Europa: TGV, ohje ohje!

Der französische Hochgeschwindigkeitszug „TGV“ fährt auch von Straßburg nach Stuttgart.
Der französische Hochgeschwindigkeitszug „TGV“ fährt auch von Straßburg nach Stuttgart. © Foto: AFP
Straßburg/Ulm / David Nau 23.06.2018

Über die EU wird gerne geschimpft: Die kümmere sich nur um eine einheitliche Krümmung von Gurken, nehme den Menschen ihre Glühbirnen weg und wolle jetzt auch noch den heiß geliebten Strohhalmen an den Kragen. Was die Stammtisch-­Wortführer dabei gerne vergessen: In Brüssel und Straßburg wurde auch so manches Gute vollbracht. Zum Beispiel, dass der sandalentragende Deutsche auch direkt am Ballermann dank abgeschaffter Roaminggebühren lustige Videos an seine Kumpel schicken kann.

Wer jetzt noch immer meint, dass die Technokraten in Brüssel nichts taugen, dem sei eine grenzübergreifende Zugfahrt von Straßburg nach Stuttgart ans Herz gelegt. Das Ticket für den Schnellzug ist ratzfatz im Internet gebucht. Flexpreis, damit man auch den Zug eine Stunde später nehmen kann. Wenn man das dann aber auch tun möchte, erlebt man das ganze Ausmaß nationaler Regelwut. Leider, erklärt die Schaffnerin, dürfe man mit einem deutschen Flexpreis-Ticket nicht einfach in jeden TGV einsteigen. Man habe ja nur eine Sitzplatzreservierung für den Zug Stunden zuvor. Und ohne Sitzplatz, keine Bahnfahrt. Regel der Franzosen.

Man könne höchstens mit der Regionalbahn nach Karlsruhe fahren und dann dort zusteigen. Oder 28 Euro Aufpreis zahlen. Kreditkarte raus, brav bezahlt. Eine Sitzplatzreservierung habe man aber trotzdem nicht, erklärt die Schaffnerin lächelnd. „Da hinten ist aber alles frei, da können Sie sitzen.“ Aaaaargh! Da fleht selbst der größte Euro-Skeptiker: „Brüssel, übernehmen Sie!“

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