Unglück Zug erfasst Schafherde

Der „Seehas“,  die Regionalbahn, die auch zwischen Singen und Engen verkehrt, hat gestern Morgen 49 Schafe überfahren. Die Tiere waren von ihrer Weide ausgebüxt.
Der „Seehas“,  die Regionalbahn, die auch zwischen Singen und Engen verkehrt, hat gestern Morgen 49 Schafe überfahren. Die Tiere waren von ihrer Weide ausgebüxt. © Foto: -Foto: Bundespolizei Konstanz/dpa
Singen/Hohentwiel / Petra Walheim 07.06.2018

Diesmal war es nicht ein Wolf, der Schafe erwischt hat. Gestern Morgen war es ein Regionalzug, der bei Singen/Hohentwiel (Kreis Konstanz) in eine Schafherde auf den Gleisen gefahren ist. Nach Angaben der Bundespolizei wurden 49 Tiere getötet. Die vier Fahrgäste im Zug und der Lokführer blieben unverletzt.

Es war der erste Zug an diesem Morgen. Fahrplanmäßig ist er um 4.39 Uhr im Singener Bahnhof mit dem Ziel Engen abgefahren. Schon eine Minute später, gegen 4.40 Uhr, traf er etwa auf Höhe des ersten Haltepunktes „Landesgartenschau“ auf die Schafe. Nach Angaben von Christian Werle, Sprecher der Bundespolizeiinspektion Konstanz, hat der Lokführer noch eine Schnellbremsung eingeleitet, doch es reichte nicht mehr. „Der Zug hat die Schafe auf den Gleisen überfahren“, sagt Werle.

Zug mit langem Bremsweg

Wie schnell der Zug nach der Bremsung noch gefahren ist, ist unklar. Hoch kann die Geschwindigkeit nach Ansicht von Werle nicht mehr gewesen sein. „Aber so ein Zug hat einen langen Bremsweg.“

Nach Angaben der Polizei hat ein Großteil der Herde aus 450 Tieren in der Nacht das mit einem Elektrozaun gesicherte Weidegelände verlassen. Wie das möglich war, „ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen“, heißt es in einer Mitteilung der Bundespolizei. „Der Elektrozaun sollte genau solche Situationen verhindern, und auch einen Schutz vor dem Wolf bieten“, sagt Werle.

Mit ihrer Freiheit wussten die Schafe nichts Besseres anzufangen, als auf die Gleise der nahe der Weide gelegenen Bahnstrecke  Singen–Engen zu traben.  Nach dem Unglück sammelte der sofort alarmierte Schäfer die noch frei laufenden Tiere ein. Die toten Schafe wurden von der Tierrettung Südbaden geborgen. An der Lok entstand Sachschaden.  Die gesamte Schadenshöhe – auch durch den Verlust der Tiere – wird noch ermittelt.

Auf der Strecke zwischen Konstanz und Engen bedient der „Seehas“ 16 Haltestellen und fährt die Strecke von 44 Kilometern in 50 Minuten. Gestern Morgen war die Strecke bis kurz nach 6 Uhr komplett gesperrt. Ein Ersatzverkehr wurde eingerichtet.

Schafe im längsten Tunnel Deutschlands

Am 26. April 2008 kollidierte ein ICE mit Tempo 210 im Landrücken-Tunnel, dem längsten Tunnel Deutschlands, mit einer Herde. Der Zug entgleiste, 21 Reisende und der Lokführer wurden verletzt. Hunde hatten die Tiere in die Röhre getrieben. 2006 fuhr eine Regionalbahn bei Weikersheim in eine Schafherde. 250 Tiere verendeten. wal

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