Sechs Beamte der Heilbronner Kriminalpolizei sollen als "Ermittlungsgruppe Zirkus" das Drama um den Elefanten "Baby" aufklären. Zu dem Sextett gehört ein Spezialist aus dem Fachbereich Umwelt und Gewerbe, der sich mit tierischen Belangen auskennt. Die Polizisten müssen herausfinden, wie der Elefant aus dem Gehege entkommen und beim Drang nach Freiheit einen 65-jährigen Fußgänger töten konnte. "Entweder handelt es sich um Nachlässigkeit oder Vorsatz", sagte ein Polizeisprecher

Die Zirkusbetreiber geben Tierschützern die Schuld an der Tragödie, ohne Beweise zu haben. "Diese Anschuldigungen stehen im Raum, wir müssen ihnen nachgehen", verlautete aus dem Polizeipräsidium.

"Elefanten sind schlau, die finden schnell eine Möglichkeit eine Absperrung zu öffnen", sagte die Tierschutzbeauftragte des Landes, Cornelie Jäger, der SÜDWEST PRESSE. Sie hat von dem Elefanten-Experten Tobias Dornbusch ein Gutachten über "Baby" angefordert. Die Einzelhaltung sei "mit einer verhaltensgerechten Tierhaltung nicht zu vereinbaren". Diese Situation habe "erhebliche, anhaltende psychische Leiden" zur Folge. Der Elefant ist ein "Wildfang", er wurde seiner Familie weggenommen. Von 1997 bis 2000 hatte "Baby" eine Artgenossin an ihrer Seite. "Leila" starb allerdings mit 18 Jahren.

Nun befindet sich die 34-jährige Elefantenkuh im Safaripark Holte-Stukenbrock bei Bielefeld. Dort habe sie erste Kontakte mit Artgenossen aufgenomen, sagte eine Sprecherin. Man gehe davon aus, dass sich "Baby" integrieren werde.

In Buchen hat der Zirkus Luna seine Zelte abgebrochen. "Wir sind sehr erschüttert", hatte ein Mitglied der Truppe erklärt. Der Verlust des Elefanten ist offenbar schwer zu verkraften - zumal er der Werbeträger der umherziehenden Artisten war: "Wir hatten ihn von klein auf." Zuletzt hatte "Baby" in Buchen Polizeischutz. Ein Sohn des getöteten Rentners wollte das Tier umbringen - mit bloßen Händen. Die Polizei hatte ihn in Gewahrsam genommen und zur "Gefährderansprache" aufs Revier gebracht.

Die Tierschutzbeauftragte Jäger lehnt Wildtiere im Zirkus kategorisch ab: "Bestimmte Arten gehen einfach nicht." Dazu gehören Elefanten. Seit 25. November 2011 liegt im Bundesrat ein Entschließungsantrag. Darin heißt es: "Bei einigen Tierarten, nämlich insbesondere bei Affen (nicht menschliche Primaten), Bären, Elefanten, Giraffen, Nilpferden und Nashörnern, können die Verhaltensansprüche der Arten in einem reisenden Zirkus schon im Grundsatz nicht erfüllt werden."

Die Bundesregierung habe noch nicht im Sinne der Länder gehandelt, weil sie die Beschränkung als Berufsverbot verstehe, sagte Jäger: "Das sehe ich nicht so, schon gar nicht vor dem Hintergrund des tragischen Ereignisses in Buchen."

Der Deutsche Tierschutzbund startete gestern die Kampagne "Wildtiere sind keine Zirkustiere". Für die Belustigung des Publikums werde ihnen "widernatürliches Verhalten beigebracht" und dabei oft "der Wille des Tieres gebrochen". Die "Tierqual unter der Zirkuskuppel" könne dramatische Folgen haben. Der Unfall in Buchen habe den Verband "schockiert, wenn auch nicht überrascht".

Rüdiger Schmiedel von der "Stiftung für Bären", die im Schwarzwald einen Wolf- und Bärenpark betreibt, verlangt derweil die Herausgabe von "Shirley". Er ist der letzte Bär des Zirkusses, nachdem dessen Partnerin "Bessy" eingeschläfert werden musste. Schmiedel fordert, alle Wildtiere "wegen grobfahrlässiger Haltung" zu konfiszieren.

Auch viele Leser fordern ein Verbot

Reaktionen Auf Facebook diskutieren viele Leser der SÜDWEST PRESSE die Attacke. Fast unisono fordern sie das Verbot von Zirkustieren. Einer wendet ein: "Ein Zirkus ohne Tiere ist uninteressant." Ein anderer sagt, dass kleinen Zirkussen Tiere zu teuer würden: "Ich glaube, das Thema Wildtiere im Zirkus wird sich auf ein ganz kleines Maß reduzieren." Viele wollen darauf nicht warten. Manche fordern gar ein Wildtierverbot für Zoos. Diese Position aber weckt schon deutlich mehr Widerspruch.