. Für die Kinder, die neulich zu Besuch waren, war die Sache klar. Sie sagten: "Das sieht aus wie eine Kirche", als sie vor dem neuen Ordinariat in Rottenburg standen. Dass dieser Eindruck entsteht, haben die Architekten gewollt. Der Zentrale der württembergischen Katholiken soll anzusehen sein, dass sie zur Kirche gehört. Ein bisschen wollte das Stuttgarter Architekturbüro Lederer Ragnarsdottir Oei auch mit der Formensprache daran erinnern, dass auf dem Platz eine Jesuitenkirche stand. Sie wurde Ende des 18. Jahrhunderts abgerissen.

39,2 Millionen Euro hat sich die Diözese ihre neue Zentrale in der Stadtmitte von Rottenburg kosten lassen. Dafür nahm die Kirche keinen Cent Kredit auf: Jahrelang legte sie Geld zurück, sparte Kapital an - um hinterher zu sparen. Denn der Neubau nimmt acht Dienststellen auf, die in der Stadt verteilt waren. So lässt sich der Sitz der Kurie wirtschaftlicher betreiben. Die Mitarbeiter rücken näher zusammen. "Langfristig lohnt sich das", sagte Johannes Warmbrunn, Sprecher des Diözesanrats.

Die Diözese hatte sich 2007 zum Neubau entschlossen, weil alle Gebäudeteile sanierungsbedürftig waren. Wasser-, Heizungs- und Elektroinstallationen waren marode, die Deckenbalken stark beschädigt.

Die Investition in der Bischofsstadt bedeutet aber auch: Nun ist der Sitz des Bischofs in Rottenburg zementiert. Walter Kasper, Vorgänger von Bischof Gebhard Fürst, hatte noch damit geliebäugelt, den Sitz in die Landeshauptstadt zu verlegen. "Mit dem Bauprojekt setzte und setzt der Bischof ein starkes Zeichen seiner Präsenz in Rottenburg und gibt eine feste Zusage zu dieser Stadt als Bischofssitz", so Generalvikar Clemens Stroppel.

Froh sein können jetzt auch die Mitarbeiter des riesigen Diözesanarchivs, das alle wichtigen Kirchenakten aufbewahrt. Im alten Archiv mussten sie im Keller arbeiten, wegen des starken Schimmelbefalls mit Mundschutz. Im neuen Archivgebäude, das allein acht Millionen gekostet hat, ist angenehmer zu arbeiten. Das um- und neugebaute Ordinariat ist ein Komplex aus drei Gebäuden: Dem Rohrhalder Hof, dem Bürotrakt und dem bischöflichen Palais. Beim Sichtmauerwerk in der Fassade des Neubaus besteht ein Viertel der Ziegel aus Altmaterial. Auch damit wollen die Architekten auf den geschichtlichen Kontext des Ortes verweisen.