Silvester Zentrale Feier: Stuttgart will böllerfreie City

Auf dem Stuttgarter Schlossplatz spielten sich in den vergangenen Jahren an Silvester kriegsähnliche Szenen ab. Chaoten feuerten Raketen in die Menge, mehrere Menschen wurden verletzt.
Auf dem Stuttgarter Schlossplatz spielten sich in den vergangenen Jahren an Silvester kriegsähnliche Szenen ab. Chaoten feuerten Raketen in die Menge, mehrere Menschen wurden verletzt. © Foto: Arnulf Hettrich/imago
Stuttgart / David Nau 20.06.2018
Die Stadt Stuttgart berät über eine zentrale Feier auf dem Schlossplatz. In Karlsruhe gibt es ähnliche Überlegungen.

Es sind unheimliche Zustände, die sich seit Jahren an Silvester rund um den Stuttgarter Schlossplatz abspielen. Chaoten schießen Raketen in die Menge, Flammen und Funken kommen den Feiernden gefährlich nahe, Böllerschläge hallen wie Kanonen-Schüsse in der Königstraße wider. „Das war ein einziges Tohuwabohu“, sagt Polizeisprecher Olef Petersen, der in den letzten zwei Jahren vor Ort war. Die Polizei meldet am 1. Januar dieses Jahres mindestens zehn Polizisten, die von Feuerwerkskörpern verletzt wurden. Außerdem hätten „etliche umstehende Personen Verletzungen erlitten“ und seien vom Rettungsdienst behandelt worden.

„Ich bin der Meinung, dass dies nicht notwendig ist“, sagt Bettina Fuchs von der City-Inititative Stuttgart, kurz CIS. Deshalb hat die Marketing-Expertin der Stadt vorgeschlagen, zum Jahreswechsel eine zentrale Silvesterveranstaltung mit einem Feuerwerk auf dem Schlossplatz zu veranstalten. „Wir sind der Meinung, dass der Schlossplatz der schönste Platz im Herzen der Stuttgarter Innenstadt ist. Daher möchten wir zum Jahreswechsel dort ein organisiertes Feuerwerk anbieten. Was konkret geplant ist, will Fuchs nicht sagen. Die Planungen seien dafür noch nicht weit genug gediehen. Sie wolle keine Ideen verbreiten, die dann nicht realisierbar seien. Nur so viel: „Das Programm soll den Platz in Szene setzen“.

Die „Stuttgarter Nachrichten“ berichten, dass die Gegend rund um den Schlossplatz weiträumig abgesperrt werden soll, damit von außen keine Raketen in die Menge geschossen werden könnten. Zutritt zum Festgelände solle demnach nur mit einer Eintrittskarte und ohne eigene Feuerwerkskörper gewährt werden.

Ansonsten geben sich alle Beteiligten sehr zurückhaltend. Schriftlich teilt etwa die Stadt Stuttgart mit, es „ist noch nicht entschieden, ob es ein zentrales Feuerwerk geben wird“. Man sei aktuell in Abstimmungsgesprächen. Das bestätigt auch Citymanagerin Fuchs: „Aktuell befinden wir uns in der Phase der Prüfung, Abstimmung und Planung.“ Man spreche mit der Stadt, der Polizei und der Feuerwehr. Zentrale Punkte seien etwa Organisation und Sicherheit. Die Polizei teilt mit, dass Silvester aktuell nicht der vorrangigste Einsatz sei, der vorbereitet werden müsse.

Fuchs ist zuversichtlich, dass bald eine Entscheidung fallen wird. „Wir gehen davon aus, dass wir in den nächsten Wochen auch gemeinsam entscheiden, ob die Veranstaltung stattfinden kann.“

Die Stadt ist zurückhaltender:  „Derzeit gibt es noch kein Datum, an dem die Entscheidung feststehen sollen“, erklärt ein Rathaussprecher. Es sei möglich, dass der Gemeinderat zu einem späteren Zeitpunkt eingebunden werde.

So ist die Situation in anderen Städten im Land

In Karlsruhe gibt es ähnliche Überlegungen wie in Stuttgart. Dort hat es laut Stadtverwaltung früher auf dem Schlossplatz und inzwischen auf dem Marktplatz immer wieder Probleme mit wilden Feuerwerkern gegeben. „Aktuell ist noch nichts geplant, wir sind aber in Beratungen“, sagte ein Stadtsprecher auf Nachfrage der SÜDWEST PRESSE. Bislang gibt es in der Stadt keine zentrale Veranstaltung. „Das wäre ein Novum“.

In Freiburg kennt man diese Probleme  ebenfalls. „Das haben wir immer wieder gehabt“, sagte eine Stadtsprecherin. Allerdings nicht in einem solchen Ausmaß, dass die Verwaltung Handlungsbedarf sehe. Die Stadt Ulm plane ebenfalls keine zentrale Veranstaltung, so eine Sprecherin.

In einigen Städten im Südwesten gelten bereits Feuerwerkverbote. So ist böllern unter anderem in Villingen-Schwenningen, Rottweil, Tübingen, Konstanz und Esslingen in den historischen Stadtkernen nicht erlaubt. In der Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen ist Feuerwerk ohnehin generell verboten.

Im Ausland sind die Regeln teils noch strenger. In Dänemark etwa gilt ein generelles Verbot.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel