Die Umstände um die Anstellung von zwei dubiosen Medizinern an den Heilbronner SLK-Kliniken sind noch nicht aufgeklärt, da tauchen schon neue Vorwürfe auf. In den Krankenhäusern Öhringen und Brackenheim wurde ein niederländischer Chirurg beschäftigt, der wegen eines Kunstfehlers mit Todesfolge bereits verurteilt ist und in seinem Heimatland schuld sein soll an mindestens fünf Todesfällen.

Gegen Nicolaas R. ermittelt die Staatsanwaltschaft, weil in der Scheper-Klinik in Emmen (Provinz Drenthe) fünf Patienten eine Magenverkleinerung nicht überlebt haben. Die niederländische Gesundheitsbehörde untersucht die Fälle seit 2009. 2005 war dieser "Dr. Tod" vom Amtsgericht Leer (Ostfriesland) zu einer Geldstrafe von 12 600 Euro verurteilt worden, weil ein Patient 2002 nach einer Operation gestorben ist - im Bauchraum war ein Tuch vergessen worden.

Als Anfang dieses Jahres bekannt wurde, dass am Heilbronner SLK-Klinikum der niederländische Neurologe Ernst J. S. immer wieder Zeitverträge bekam, obwohl er in seiner Heimat nach einer Fülle von Fehldiagnosen die Approbation zurückgegeben hatte, wurde von norddeutschen Medien sofort die Ähnlichkeit mit dem Fall Nicolaas R. thematisiert. Die Heilbronner Klinikleitung erweckte jedoch den Eindruck, es handle sich bei "Dr. Frankenstein" um einen Einzelfall.

Dabei war auch die Zusammenarbeit mit Nicolaas R. in Brackenheim vorzeitig beendet worden. Er wurde im November 2010 gefeuert, als die Klinik Hinweise auf Kunstfehler bekommen hatte. Ende 2009 und von Januar bis April 2010 arbeitete der Chirurg in Öhringen, wohin er von einer Agentur vermittelt worden war. Das Krankenhaus in Hohenlohe ist seit 2007 unter dem Dach der Heilbronner "Gesundheitsholding". R. sei hauptsächlich in der Ambulanz und "nur bei Bagatellangelegenheiten" eingesetzt worden, sagte Geschäftsführer Dieter Bopp.

Die SLK-Kliniken sind bundesweit in Verruf geraten, weil sie nicht nur den zwielichtigen Neurologen J. S. in ihren Reihen hatten. In Heilbronn war die Personalabteilung bereits 2011 von Berichten über Behandlungsfehler informiert worden, nachdem eine Krankenschwester in Holland zufällig auf entsprechende Berichte gestoßen war.

Kaum hatte die SLK-Leitung den Fehler eingestanden, folgte schon die Nachricht von einem weiteren Arzt, der keine Approbation mehr hatte und berauscht in einem Auto entdeckt worden war. Schließlich wurde auch noch bekannt, dass der Klinikdirektor bereits im März 2012 wegen "bandenmäßigen Abrechnungsbetrugs" während seiner Tätigkeit an den Berliner DRK-Kliniken angeklagt worden ist. Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach hatte als Vorsitzender des Aufsichtsrates die anderen Mitglieder des Kontrollorgans darüber nicht informiert. "Der Aufsichtsrat scheint lediglich ein Abnickgremium zu sein, mit dem der OB machen kann, was er will", kritisierte Stadtrat Alfred Dagenbach (Pro Heilbronn).

Erst am Donnerstag hatte Himmelsbach eine umfassende Aufklärung der Vorfälle versprochen. Er räumte ein, dass schon "ein Imageschaden für die Kliniken" entstanden sei. Er sprach auch von einem Vertrauensverlust und fügte an: "Wir wollen alles tun, diesem entgegenzuwirken."

Am Samstag kündigte die Klinik Konsequenzen aus den peinlichen Personalpannen an. Demnach soll bei Honorarärzten der berufliche Werdegang "genauestens überprüft" werden. 2012 sei bei SLK im Schnitt ein Prozent der 500 Ärzte befristet beschäftigt worden. Von diesen fünf Medizinern sind bisher drei negativ aufgefallen, ohne dass das Management vorher Verdacht geschöpft hat.