Medizin Zahnarzt-Verband: Versorgungszentren sind Gefahr

Die Patienten im Land sind zufrieden.
Die Patienten im Land sind zufrieden. © Foto: dpa
Stuttgart / Jens Schmitz 30.07.2018

Die Kassenzahnärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KZV) wehrt sich gegen Umstrukturierungen in ihrer Branche: Eine repräsentative Versichertenbefragung im Land hat hohe Zufriedenheit bei den Patienten ergeben. Die Vorstandsvorsitzende Ute Maier hat deswegen einen Brandbrief an Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) geschickt. Die Erhebung, die Anfang August vorgestellt werden soll, liegt unserer Zeitung vor.

98 Prozent der Befragten sind in Baden-Württemberg demnach mit ihrem Zahnarzt zufrieden oder sehr zufrieden, sowohl bei den gesetzlich wie bei den privat Versicherten. „Bei der zahnärztlichen Versorgung in Baden-Württemberg gibt es – aus Sicht der Versicherten – keine Zwei-Klassen-Medizin“, folgert Maier. Lediglich bei akuten Problemen gibt es kleinere Wahrnehmungsunterschiede: 60 Prozent der privat Versicherten geben an, in diesen Fällen gar nicht auf einen Termin warten zu müssen. Bei den gesetzlich Versicherten sind es nur 56 Prozent.

Um die dezentrale Zahnarztversorgung auch in Zukunft zu gewährleisten, dringt die KZV unter anderem auf bessere Vereinbarkeit von Praxis und Familie: Vor 20 Jahren sei der Zahnarztberuf noch fast komplett männlich geprägt gewesen; bis 2030 würden Frauen die Mehrheit stellen. „Es entscheiden sich auch deswegen immer mehr gegen die Niederlassung in eigener Praxis“, erklärt Maier. Stattdessen suchten sie eine Anstellung, oft nicht im ländlichen Raum.

Am 11. Juli hat Maier einen Brandbrief an Sozialminister Manfred Lucha geschrieben. Darin beklagt sie, dass seit 2015 in Baden-Württemberg 80 „Zahnmedizinische Versorgungszentren“ gegründet wurden. Etwa die Hälfte gehöre zu einer Kette. Aus Sicht der KVZ beschleunigen die Zentren nicht nur den Trend, dass sich junge Zahnärzte anstellen lassen, statt selbst eine Praxis zu eröffnen. Da sie vor allem in dicht besiedelten Räumen entstünden, wirkten sie „wie ein Katalysator für die Unterversorgung in ländlichen Gebieten und bringen keinen versorgungsrelevanten Mehrwert“, schreibt Maier.

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