Mannheim/Berlin Xavier Naidoo: Politische Äußerungen vor rechten Kreisen

Xavier Naidoo sprach am Tag der Deutschen Einheit in Berlin vor dem Kanzleramt bei einer Kundgebung der "Reichsbürger".
Xavier Naidoo sprach am Tag der Deutschen Einheit in Berlin vor dem Kanzleramt bei einer Kundgebung der "Reichsbürger". © Foto: dpa
Mannheim/Berlin / CHRISTINE CORNELIUS, DPA 13.10.2014
Der Musiker Xavier Naidoo steht nach politischen Äußerungen vor Rechtspopulisten schwer in der Kritik. Selbst die Popakademie Mannheim, deren Mitinitiator er ist, legt die Zusammenarbeit auf Eis.

In der Rolle des Missionars zeigt sich Xavier Naidoo gern. Jetzt scheint er zu weit gegangen zu sein. Für die Verkündung seiner Wahrheit hat sich der Sänger ein Publikum aus dem politischen Abseits ausgesucht: Vor den rechtspopulistischen "Reichsbürgern", die Deutschland nicht als souveränen Staat anerkennen, predigte er am Tag der Deutschen Einheit im Berliner Regierungsviertel über die von den USA besetzte Bundesrepublik - und rief zum Widerstand auf.

Er selbst wolle keine Stellung mehr nehmen, sagt sein Management. Dabei ist auch in Naidoos Heimatstadt Mannheim die Irritation groß. "Wir distanzieren uns von den fragwürdigen und irritierenden politischen Äußerungen", erklärt die Popakademie, deren Mitinitiator Naidoo ist. Seine Tätigkeit als Gastdozent sei ausgesetzt, bis die Direktion mit ihm über die Angelegenheit gesprochen habe.

Wer Naidoo kennt, verwundern seine Berliner Thesen nicht. Schon 2011 sagte er im ARD-Morgenmagazin: "Wir sind nicht frei. Wir sind immer noch ein besetztes Land." Kritik an der Politik der USA äußert er seit Jahren. "Was verwundert ist, dass er sich ganz bewusst auf die Bühne von Rechtspopulisten, Verschwörungstheoretikern und Verfassungsfeinden stellt", kritisiert ihn Medienwissenschaftler Marcus S. Kleiner von der Hochschule Macromedia in Stuttgart.

Doch wie passen der christlich-religiöse Sänger und die Reichsbürger zusammen? Der Göttinger Demokratieforscher Jöran Klatt erläutert das so: "Was Herrn Naidoo und die Reichsbürger eint, ist die Empörung über eine angebliche Fremdbestimmung und die Wut auf ein diffuses Feindbild." Wie sehr sich der Mannheimer mit indischen und afrikanischen Wurzeln Veränderung wünscht, wird in seiner Rede deutlich: "Ich möchte auf jeden Fall, dass wir irgendwie miteinander Ordnung schaffen in diesem Land." Und weiter: "Einer allein hat schon die Macht, das Ganze zum Sturz zu bringen. Und wenn wir uns vereinen, wenn jetzt sogar ein paar Hundert hier sind, dann muss es uns doch auf jeden Fall gelingen."

Gegen wen genau sich dieser Aufruf zum Widerstand richte, bleibe unklar, sagt Politologe Klatt. "Das ist auch bei den Reichsbürgern so." Aus Klatts Sicht verbreitet Naidoo vor allem eine Verschwörungstheorie. Die Terroranschläge vom 11. September 2001 bezeichnet der Sänger als Warnschuss.

Medienwissenschaftler Kleiner sieht eine neue Dimension erreicht, indem Naidoo seine Thesen erstmals auf einer politischen Bühne präsentiere. Für eine spontane, unbedachte Aktion des Sängers hält er die Rede nicht: "Das war eine bewusste Inszenierung."

Reichsbürger

Verweigerung Unter dem Begriff Reichsbürger firmieren laut Verfassungsschutz Gruppierungen, für die das Deutsche Reich fortbesteht. Sie erkennen die Bundesrepublik als Staat nicht an und auch nicht deren Gesetze und Behörden. Die Akteure sind teilweise in der rechtsextremen Szene verankert. Sogenannte Reichsbürger und Selbstverwalter weigern sich, Steuern, Sozialabgaben oder Bußgelder zu zahlen. lsw

 

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel