Kriminalität Würth-Entführer: Die Anklage steht

In diesem Waldstück wurde der Entführte an einen Baum gefesselt gefunden.
In diesem Waldstück wurde der Entführte an einen Baum gefesselt gefunden. © Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Fulda/Künzelsau / Hans Georg Frank 21.06.2018
Die Anklage gegen den mutmaßlichen Würth-Entführer steht. Ob es Komplizen gab, ist laut Ermittlern aber weiter unklar.

Obwohl Anklage wegen erpresserischen Menschenraubs erhoben wurde, weiß die Staatsanwaltschaft Gießen immer noch nicht, ob der mutmaßliche Entführer von Markus Würth Komplizen gehabt hat. Weitere Tatbeteiligte könnten derzeit nicht ausgeschlossen werden, sagte Staatsanwalt Thomas Hauburger auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE, „wir hoffen, dass er sich vor Gericht dazu einlässt“.

Das Landgericht Gießen muss binnen drei Monaten entscheiden, ob die Anklage zur Verhandlung zugelassen wird. Wann der Prozess stattfinden wird, ist offen.

Markus Würth, der behinderte Unternehmersohn aus Künzelsau, war vor drei Jahren aus einer beschützenden Einrichtung bei von Fulda entführt worden. Er lebte seit rund 30 Jahren auf einem Hofgut. Der Kidnapper soll in zwei Telefonaten ein Lösegeld von drei Millionen Euro gefordert haben. Es kam jedoch aus unklaren Gründen zu keiner Geldübergabe. Dennoch soll der Täter der Polizei die Koordinaten eines Waldstücks bei Würzburg mitgeteilt haben, wo das Opfer gefunden wurde. Der damals 50-Jährige war über Nacht an einen Baum gekettet worden, blieb körperlich unversehrt. Den Entführer konnte er nicht beschreiben.

Trotz intensiver Fahndung konnte der Fall zunächst nicht gelöst werden. Erst nach rund 1000 Tagen brachte eine Frau aus dem Rhein-Main-Gebiet die Polizei auf die wahrscheinlich richtige Spur. Sie will den mutmaßlichen Täter anhand von Phantombildern und Stimmenaufzeichnungen erkannt haben. „Die Stimme ist das wichtigste Beweismittel“, erklärte Staatsanwalt Hauburger. Bei dem 48-jährigen Handwerker, der im März in Offenbach verhaftet worden ist, handelt es sich um einen Serben, verheirateter Vater von zwei Kindern. Stimmexperten hatten herausgefunden, dass der Würth-Anrufer aus Serbien/Montenegro stammen und im Raum Frankfurt Deutsch gelernt haben muss.

Der Verhaftete hatte sich in seiner Vernehmung zwar sehr wortreich geäußert, aber den Vorwurf der Entführung pauschal abgestritten. Doch die Staatsanwaltschaft ist sicher, den Richtigen vor Gericht zu stellen. „Es gibt eine Reihe weiterer Indizien wie ein Bewegungsbild anhand von Funkzellendaten und Tankquittungen“, sagte Hauburger.

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