Das, was viele vermutet hatten, ist nun bewiesen: Der Wolf, der Anfang Juli tot aus dem Schluchsee geborgen worden ist, wurde erschossen. Das hat die Untersuchung des Kadavers im Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin ergeben. Weil das Töten eines Wolfes eine Straftat darstellt, ist es gut möglich, dass die Staatsanwaltschaft Freiburg Ermittlungen einleitet, damit der Schütze gefunden wird. Das ist noch offen. Anhand des Projektils kann die Waffe bestimmt und eventuell auch gefunden werden. Für das widerrechtliche Töten eines Wolfes sieht das Tierschutzgesetz eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe vor.

Schon als das Tier am 8. Juli an der Staumauer des Schluchsees aus dem Wasser gezogen und oberflächlich untersucht wurde, fiel auf, dass es Verletzungen im Brustbereich hat. Die Untersuchung hat nun ergeben, dass diese von einem Projektil stammen, das in der Leber des Wolfes gefunden wurde. Weitere Informationen zum möglichen Tathergang werden nach Auskunft des Umweltministeriums „aus ermittlungstaktischen Gründen zum jetzigen Zeitpunkt nicht mitgeteilt“. Minister Franz Untersteller bedauert den gewaltsamen Tod des Tieres. „Uns liegt kein Hinweis darauf vor, dass der Wolf auf seiner Wanderschaft durch unser Land Nutztiere wie Schafe oder Ziegen angegriffen hätte“, sagte er gestern. Dass trotzdem ein Mensch das Leben dieses seltenen Geschöpfes mit Gewalt ausgelöscht hat, bedauere er sehr.

Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg geht davon aus, dass es sich um denselben Wolf handelt, der Ende Juni erstmals bei Überlingen am Bodensee gesichtet worden ist. Tage später hatte er sich bei Stockach gezeigt, danach bei Bad Dürrheim. Lebend wurde er zuletzt am 4. Juli  in der Gegend von Breitnau im Hochschwarzwald gesehen, am 8. Juli dann tot aus dem Schluchsee gezogen.

Die erste genetische Untersuchung hatte ergeben, dass das Tier aus Schneverdingen in Niedersachsen und aus einem Wurf mit drei Welpen stammte. Das heißt, der Wolf hatte bis zum Schluchsee mehr als 600 Kilometer unbeschadet hinter sich gebracht und war mindestens zwei Wochen im Land unterwegs, bevor ihn die Kugel traf. 

Der Naturschutzbund (Nabu) verurteilt „diese skrupellose Straftat“. Ingrid Eberhardt-Schad kündigte an, der Nabu werde bei der Staatsanwaltschaft Strafanzeige gegen Unbekannt erstatten.  Sie sei bestürzt und traurig über den Tod des Wolfes, der auf „kriminelle Weise von einem Menschen getötet wurde“. Mit Wut und Trauer reagierten auch die Naturschützer des BUND. „Tiere streng geschützter Arten werden immer wieder aus egoistischen oder ideologischen Gründen getötet“, betonte die BUND-Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender. Sie forderte „eine landesweite polizeiliche Sonderermittlungseinheit mit speziell geschultem Personal für Fälle illegaler Tötungen streng geschützter Arten“. Die dürften nicht länger unaufgeklärt bleiben und als Kavaliersdelikte durchgehen.  

Tatsächlich ist das Töten zum Beispiel von Wölfen „nichts Neues“. Darauf verweist auch Felix Böcker, Wildtier-Biologe bei der FVA in Freiburg.  „Das ist ja nicht das erste Mal“, sagte er gestern. Die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf weist für die Jahre von 2000 bis heute 25 illegal getötete Wölfe aus.