Pforzheim WLAN unter freiem Himmel

Kostenfreies WLAN in Pforzheim, Wirtschaftsminister Nils Schmid: "Unglaubliches Potenzial der Digitalisierung". Foto: dpa
Kostenfreies WLAN in Pforzheim, Wirtschaftsminister Nils Schmid: "Unglaubliches Potenzial der Digitalisierung". Foto: dpa
Pforzheim / LSW 05.09.2013
Eben mal im Smartphone nachschauen, wo ein Hotel ist oder wann der nächste Zug geht: In Pforzheim ist das jetzt kostenfrei möglich. Die Stadt hat ein flächendeckendes WLAN-Netz freigeschaltet.

Touristen und Stadtbummler können in Pforzheim seit gestern kostenlos im Internet surfen. Die Stadt ist nach eigenen Angaben die erste deutsche Kommune mit mehr als 100 000 Einwohnern, die im ganzen Innenstadtgebiet kostenfreies WLAN anbietet. Andere Städte, etwa Berlin und München, haben nur auf einigen Plätzen freien Internet-Zugang eingerichtet. Getragen wird das Projekt von neun Firmen. Sie haben rund eine Viertelmillion Euro investiert.

Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) nannte Pforzheim ein "Flaggschiff" für diese moderne Infrastruktur. "Ich werde dafür werben, dass es bald möglichst viele Nachahmer gibt." Der Empfang ist nur unter freiem Himmel möglich und kein Ersatz für private Internetanschlüsse. Von dem Angebot sollen vor allem ausländische Touristen profitieren, die keinen deutschen Mobilfunkvertrag haben. Aber auch Studenten können auf dem Campus oder im Stadtpark auf Online-Lehrmaterial zurückgreifen.

Bislang reicht die Kapazität der Sender für 1500 Zugriffe zur gleichen Zeit. "Bei den anstehenden Stadtfesten werden wir sehen, ob das ausreicht", sagt Erwin Geisler, Geschäftsführer des Vereins Medien-/IT-Initiative Pforzheim. Er geht davon aus, dass das Netz in den kommenden Wochen weiter wachsen wird. Ziel sei, möglichst viele Geschäftsleute dafür zu begeistern, damit sie zusätzlich in ihren Räumen - Einkaufszentren, Kneipen, Praxen - gebührenfreies WLAN einrichten.

Die Kosten für einen Sender liegen den Angaben zufolge zwischen 100 und 1000 Euro. Geplant sei auch, Sendegeräte in Bussen zu installieren. Oberbürgermeister Gert Hager (SPD) rief die Geschäftsleute ebenfalls auf, "sich nicht gegenseitig ängstlich zu beäugen, sondern sich in das gemeinsame Netzwerk einzuklinken".

Für das Einwählen muss sich jeder Nutzer mit Namen und Mobilfunknummer registrieren. Er erhält ein Passwort per Kurzmitteilung, das ein Jahr lang gilt. Die Sicherheit sei genauso hoch wie am heimischen Computer, sagt Geisler. "Jeder muss allerdings mit seinem Passwort verantwortungsvoll umgehen und im Zweifel eine sichere Verbindung aufbauen." Die Haftung liege beim Verein.

Schmid sprach von einem "Quantensprung, der das unglaubliche Potenzial der Digitalisierung demonstriert". Das Land werde solche Projekte aber nicht finanziell unterstützen. Sein Hauptaugenmerk liege auf der Verlegung von Breitbandkabeln in jene Regionen, die noch nicht angeschlossen sind. "Diese Infrastruktur ist dringend notwendig", sagte Schmid. Dafür stünden zehn Millionen Euro bereit.

Auch Heidenheim, Aalen und Heubach bieten WLAN gratis: In Heidenheim mit knapp 60 000 Einwohnern hat sich ebenfalls ein Bündnis zwischen Kommune, Pressehaus, Handelsverein und Geschäftsleuten gefunden, das WLAN in der Fußgängerzone und im Rathaus-Foyer eingerichtet hat. Für Aalen mit 66 000 Einwohnern hat die österreichische Firma Free-key das Netz auf eigene Rechnung aufgebaut. In Heubach wird das WLAN-Angebot auf dem Marktplatz mit einer Tochterfirma des Energiekonzerns ENBW organisiert.

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