Tierpark Ausflugstipp: Wilde Pferde in Tripsdrill

Der Falkner Roland Werner und sein 19 Jahre alter Weißkopfseeadler Lago sind bei Flugvorführungen im Tierparadies des Erlebnisparks Tripsdrill ein eingespieltes Team.
Der Falkner Roland Werner und sein 19 Jahre alter Weißkopfseeadler Lago sind bei Flugvorführungen im Tierparadies des Erlebnisparks Tripsdrill ein eingespieltes Team. © Foto: Hans Georg Frank
Cleebronn / Hans Georg Frank 02.01.2018
Wilde Pferde, wilde Schweine: In Tripsdrill geht es im Winter gemächlicher zu. So bleibt mehr Zeit für die Bildung der Besucher.

Nur lange Weltreisen wären für Roland Werner (46) noch schöner als seine jetzige Aufgabe. Der Forstingenieur und Berufsfalkner, in  Grimma bei Leipzig geboren, kümmert sich im Tierparadies neben dem Erlebnispark Tripsdrill um alles, was kreucht und fleucht. Wenn der Sachse im Schwabenland erzählt von der Arbeit mit über 150 Tieren, spürt man, dass ihm Vögel, Raubtiere,  Dam-, Dybowski- und Sikawild sehr ans Herz gewachsen sind.

Auf 47 Hektar ist auch Platz für Wildschweine und Wildpferde, für Polarwölfe und Rotfüchse, Mufflons und Waschbären. An die Wiese der Auerochsen grenzt ein Wald mit Baumhäusern, wo man schlafen soll wie Murmeltiere.

In diesem Winter ist der Tierpark zum ersten Mal jeden Tag geöffnet. Während der Ferien wird jenes informative Programm geboten, das sonst an wärmeren Tagen die Scharen anlockt. Jetzt kann es vorkommen, dass nur wenige Besucher sehen wollen, wie Falken, Bussarde, Geier und Adler zielsicher die Beutebissen schnappen.

„Keine reine Show“

Bei Wildfütterungen bleibt Werners Gefolgschaft meist überschaubar. Fünf Wölfe, drei Luchse, fünf Wildkatzen und drei Braunbären  warten auf Fleischbrocken. Freitags allerdings müssen die Beutegreifer fasten, damit ihr Stoffwechsel angeregt wird.

Diese Speisungen nutzt der Tierhüter für „Umweltbildung“, wie er seine Erklärungen nennt. „Wir wollen keine reine Show“, sagt Roland Werner, „wir möchten die Besucher mit fachlich fundierten Informationen versorgen.“ Gerade bei den kleinen Runden könnten viele Fragen gestellt werden. Stets kommt der Fachmann auf den Wolf zu sprechen: „Seine Rückkehr ist mit Problemen für Schafhalter verbunden, aber Panikmache ist übertrieben.“

Er sei „naturmäßig vorbelastet“, erzählt der Sachse: „Mein Vater war Förster.“ Er sei gerne im Freien. Roland Werner hat sich ein breitgefächertes Wissen über seine Schützlinge angeeignet. Bei den Fütterungen möchte er mit dem Publikum ins Gespräch kommen, stellt Fragen und freut sich über richtige Antworten.

Das Wildparadies ist 1972 entstanden. Oberforstdirektion und Gemeinde erhofften sich davon eine Attraktion für den Tourismus und eine Bereicherung es Bildungsangebots für Schulklassen. Noch immer gerät der Spaziergang durch den Wald zu einem lehrreichen Ausflug vor allem für solche Besucher, die wenig Bezug zur realen Tierwelt haben. „Manchmal schüttle ich den Kopf, wie weit die Leute weg sind von Mutter Natur“, sagt Roland Werner. „Viele rennen einfach auf die Tiere zu und wundern sich, dass sie abhauen.“

Zu Beginn hatten hier 250 Tiere eine Heimat gefunden. Die Zahl wurde reduziert, um mehr Lebensraum bieten zu können. Immer mal wieder gibt es Veränderungen oder Zuwächse. Gerade entsteht ein neues Gehege für ein Fischotterpärchen. Könnte Roland Werner über das lebende Inventar bestimmen, würde er gerne einen europäischen Seeadler kaufen. Die Kosten schätzt er auf 8.000 Euro. Damit ließe sich eine kleine Weltreise finanzieren.

Verzicht auf  den Winterschlaf

Der Wolf- und Bärenpark in Bad Rippoldsau-Schapach ist von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Der Wildpark Bad Mergentheim öffnet seine Tore im Winter nur an Wochenenden und Feiertagen. Der Wildpark Schwarzach lässt bis Ende Februar samstags, sonntags, feiertags sowie in den Ferien von 11 bis 17 Uhr Besucher ein. Im Wild- und Freizeitpark in Allensbach am Bodensee gibt es bis Ende April täglich von 10 bis 17 Uhr Tickets. 33 Schimpansen sind im Leintalzoo zwischen Schwaigern und Leingarten auch im Winter zu bestaunen.

Die Zoos in Stuttgart, Heidelberg und Karlsruhe sowie der Tiergarten in der Ulmer Friedrichsau kennen gleichfalls keinen Winterschlaf.

Eine Übersicht mit vielen Angeboten aus Baden-Württemberg findet sich auf www.tierparkweb.de.

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