Der Freiburger Hausberg Schauinsland heißt nicht ohne Grund so. Auf seinem Gipfel in knapp 1285 Metern Höhe haben Besucher bei Inversionswetterlage einen atemberaubenden Blick zu den Alpen. Bei einfach nur gutem Wetter genießen Touristen und Einheimische den unverstellten Blick auf die nahen Gipfel des Belchen und des Blauen.

Das Regierungspräsidium (RP) Freiburg hat im Landschaftsschutzgebiet um den Schauinsland vier Bereiche für Windräder ausgewiesen. Der Schwarzwaldverein sieht diese Windkraftzonen kritisch. Er fürchtet um die freie Landschaft und um die „Blickbeziehung“, die der Betrachter auf dem Schauinsland zu Belchen und Blauen hat. „Wenn der freie Blick durch Windräder verstellt wird, kann das Touristen abschrecken“, sagt Peter Lutz, Naturschutzreferent beim Schwarzwaldverein. Windräder seien im Landschaftsbild „Fremdkörper, die sich da drehen“.

Doch noch ist es nicht soweit, und bis ein Windrad errichtet werden kann, sind für Investoren einige Hürden zu nehmen. „Wir schauen auf jeden Einzelfall und wägen die Belange sorgfältig ab“, sagt Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer. Für jedes Windrad, das gebaut werden soll, muss je nach Gemarkung beim Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald oder bei der Stadt Freiburg ein Antrag gestellt werden, der ein immissionsschutzrechtliches Verfahren durchlaufen muss, betont Holger Steenhoff, im RP für das Naturschutz-Recht zuständig.

Ein Grund, dass im Schutzgebiet vier Bereiche für Windräder freigegeben werden können, ist, dass an diesen Stellen keine „unüberwindbaren naturschutzfachlichen Hindernisse“ gefunden wurden, so das RP. Außerdem blase dort der Wind stark genug zur Stromproduktion. Drei ebenfalls untersuchte Bereiche wurden ausgeschlossen, weil dort Wanderfalke, Wespenbussard, Fledermäuse, Auerhuhn und Rotmilan ebenso wie Fels- und Waldbiotope gefährdet wären.

Die besondere Bedeutung der Windenergie für die Klimaschutzziele des Landes rechtfertige „die Zurückstellung“ der Belange des Schwarzwaldvereins, sagt Holger Steenhoff. Das sieht der Verein, der für 220 Ortsvereine mit über 65 000 Mitgliedern spricht, anders.  Sinn und Zweck eines Landschaftsschutzgebietes sei, die Landschaft von störenden Bauten frei zu halten und das Landschaftsbild zu bewahren, betont Georg Keller, Präsident des Schwarzwaldvereins. Im Zonierungs-Verfahren habe der Schwarzwaldverein nur einem Standort zugestimmt, auf dem bereits Anlagen stehen. Zu befürchten sei auch eine Beeinträchtigung der Vogel- und Fledermausarten „sowie riesige Landschaftswunden beim Bau der Erschließungswege“.

Nach Ansicht des Schwarzwaldvereins könnten  sich Windräder auf dem Schauinsland auch negativ auf den Tourismus auswirken. Dessen Belange seien berücksichtigt worden, heißt es dagegen aus dem RP.

Wolfgang Weiler von der Schwarzwald-Tourismus GmbH sagt: „Wir wollen, dass einer nachhaltigen Tourismusentwicklung Vorrang eingeräumt wird.“ Zwischen Karlsruhe und Basel seien mehr als 500.000 Arbeitsplätze von der touristischen Attraktivität abhängig. Dass Touristen eine Region meiden, weil sie sich von Windrädern gestört fühlen, sei bisher nicht belegbar. „In einer nicht repräsentativen Befragung haben aber rund 25 Prozent gesagt, sie würden die Region meiden, wenn sie sich durch Windräder gestört fühlten.“

Reform bremst Ausbau im Land


Seit der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes 2017 ist der Ausbau der Windkraft im Süden fast zum Erliegen gekommen, weil jetzt jedes Projekt ein bundesweites  Ausschreibungsverfahren durchlaufen muss. Projekte im Süden haben meist aus topographischen Gründen kaum Chancen. Ausnahme ist der Windpark „Länge“ bei Donaueschingen. Zum Stichtag 31. Oktober 2017 waren nach Auskunft des Umweltministeriums im Land 649 Windenergieanlagen in Betrieb. 128 waren genehmigt, aber noch nicht in Betrieb.