Im Südwesten gibt es wieder mehr Studienanfänger, die aus Ländern außerhalb der EU kommen. Im Wintersemester 2017/2018 war die Zahl erstmals seit Längerem eingebrochen - die Landesregierung hatte damals Gebühren für diese Studierendengruppe eingeführt. Im aktuellen Wintersemester legte die Zahl im Vergleich zum Vorjahr aber wieder zu - um fast neun Prozent auf rund 6200 Menschen.

„Diese Entwicklung übertrifft unsere eigenen Erwartungen. Wir hatten ursprünglich mit einer länger anhaltenden Eintrübungsphase kalkuliert“, sagte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) am Mittwoch in Stuttgart. Moderate Gebühren und eine weitere Internationalisierung stünden also nicht im Widerspruch. Seit dem Wintersemester 2017/2018 müssen Menschen, die fürs Studium aus einem Land von außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums einreisen, in Baden-Württemberg 1500 Euro pro Semester zahlen.

Das Wissenschaftsministerium stellte den „weiterhin starken Zulauf“ bei Kunst- und Musikhochschulen heraus. Hier habe die Zahl der internationalen Studienanfänger um fast sieben Prozent zugelegt. Auch die Einnahmen aus den Beiträgen entwickelten sich positiv, sagte die Ministerin, derzeit erziele das Land rund zehn Millionen Euro jährlich.

Die Opposition will die Freude von Ministerin Bauer nicht mittragen: „Wir sehen eine Momentaufnahme mit noch vielen Fragezeichen, aber keineswegs einen einheitlichen Trend nach oben“, sagte die Hochschulexpertin der SPD im Landtag, Gabi Rolland. Auch die FDP-Fraktion äußerte Kritik: Ein mäßiger Anstieg der Zahl internationaler Studierender könne nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Attraktivität des Studienstandortes Baden-Württemberg unter den Gebühren leide, sagte der FDP-Wissenschaftsexperte, Nico Weinmann.

Beide meinen, dass den Südwest-Universitäten Wettbewerbsnachteile entstanden seien. Zudem kritisierten sie einen hohen bürokratischen Aufwand, der die Gebühren ineffizient mache. Die SPD sprach von einer sozialen Diskriminierung. Der FDP zufolge liegen die Einnahmen von zehn Millionen Euro unter den ursprünglichen Erwartungen der Landesregierung.

Bereits im vergangenen Jahr hatten zwei Studierende, ein Vietnamese und eine Schweizerin, Verfassungsbeschwerden gegen die Beiträge eingereicht, über die das Landesverfassungsgericht in Stuttgart noch entscheiden muss. Eine Entscheidung wird für dieses Jahr angestrebt.

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