Stuttgart Wie die SPD im Wahlkampf bis zum 13. März das Ruder herumreißen will

Eröffnung der SPD-Wahlkampfzentrale: Spitzenkandidat Nils Schmid mit einer Karte der Tour, die er bis zur Wahl absolvieren will.
Eröffnung der SPD-Wahlkampfzentrale: Spitzenkandidat Nils Schmid mit einer Karte der Tour, die er bis zur Wahl absolvieren will. © Foto: dpa
Stuttgart / ROLAND MUSCHEL 08.01.2016
Die Meinungsforscher notieren die SPD im Land seit langem unter 20 Prozent. Um das Ruder bis zum 13. März herumzureißen, will die Partei im Wahlkampf vor allem ihr Stammklientel aktivieren.

Im Dezember, schwärmt Nils Schmid, habe der SPD-Landesverband eine "bundesweit einmalige" Telefonschaltkonferenz initiiert - "mit riesigem Erfolg": Die knapp 36.000 Genossen im Land waren aufgerufen, sich in eine "Schalte" mit Spitzenkandidat Schmid einzuwählen. Rund 15.000 nahmen das Angebot des moderierten Gesprächs am Telefon an - immerhin gut 40 Prozent der SPD-Basis im Südwesten. "Das war quasi eine Vollmitgliedersammlung am Telefon", sagt Schmid. Diese Art der "Direktkommunikation" werde in der heißen Phase wiederholt, ergänzt Generalsekretärin Katja Mast bei der offiziellen Eröffnung der SPD-Wahlkampfzentrale am Stuttgarter Wilhelmsplatz.

Seit dem 4. Juli 2015 bereiten die Genossen ihre Wahlkampagne vor, am Montag geht sie mit dem Auftakt der "Nils-Schmid-Tour" in Stuttgart in ihre heiße Phase. "Wir haben jetzt neun Wochen Vollgas vor uns; neun Wochen, in denen wir in die Arena gehen", sagt der Spitzenkandidat, der die SPD wieder an der Seite der Grünen in die Regierung führen will. Im Hintergrund läuft derweil ein Lied der Stuttgarter Band "Fantastische Vier", das zu Schmids Lieblingsstücken gehört: "Ernten was wir säen".

Die Genossen attestieren sich eine erfolgreiche Regierungsarbeit. Allein: In den Umfragen schlägt sich das bislang nicht nieder. Die Meinungsforscher verschiedener Institute notieren die Partei seit Monaten zwischen 17 und 19 Prozent und damit deutlich unter dem Wahlergebnis von 2011. Da war die SPD auf 23,1 Prozent gekommen.

Mit den Kernthemen soziale Gerechtigkeit, Bildung und Familie wollen Schmid & Co. daher nun die Aufholjagd auf allen Kanälen angehen. 2,2 Millionen Euro umfasst das Wahlkampfbudget - wie schon 2011. Die Fernsehspots sind gestern gedreht worden; auf Facebook und in anderen sozialen Medien ist die Partei längst aktiv. Am Montag werden die ersten Großplakate vorgestellt. In den kommenden Wochen sollen Parteipromis wie Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel, Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz und Alt-Kanzler Gerhard Schröder bei Auftritten im Südwesten die Regierungskompetenz der SPD unterstreichen.

Wie schon 2011 bietet die SPD-Kampa den Landtagskandidaten eigens erhobene Informationen, in welchen Straßenzügen ihrer Region es potenzielle Wechselwähler gibt und wo sich daher ein zeitintensiver "Haustürwahlkampf" am ehesten lohnen könnte. Doch der Kampf um Wechselwähler dürfte diesmal eine kleinere Rolle spielen: Diejenigen, die mal für die SPD und mal für die Grünen votieren, sind für Genossen kaum zu erreichen - zu stark ist die Sogwirkung des populären grünen Regierungschefs Winfried Kretschmann in diesem Milieu. Die SPD konzentriert sich daher auf Wähler, die bei Bundestagswahlen für sie stimmen, auf Landesebene aber auch mal zuhause bleiben.

Die sozialen Medien spielen im Instrumentenkasten der Kampagneros eine größere Rolle als 2011, aber damit lassen sich längst nicht alle potenziellen Wähler erreichen. Groß angelegte Schaltkonferenzen mit "dem guten alten Telefon" (Schmid) sind daher ein wichtiges Element, um die eigene Mitgliedschaft zu mobilisieren. Die Basis der SPD ist im Land immerhin fast viermal so groß wie die der Grünen.

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