Das Unwetter, das sich vergangenen Samstag über Friedrichshafen entleerte, traf die Region mit Wucht. In zwei Stunden fielen 107 Millimeter Regen pro Quadratmeter. Keller liefen voll, Straßen wurden unterspült, der Pegel eines Baches stieg von 44 Zentimetern auf 2,44 Meter.

„Die Ausmaße waren ganz ähnlich wie in Braunsbach“, sagt Landes-Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) mit Verweis auf die verheerende Flut in dem Dorf in Hohenlohe vergangenes Jahr. „Aber in Friedrichshafen kam das Wasser zum Glück nicht links und rechts die Hänge runter, sondern hatte Platz, sich auszubreiten.“ Der Bodensee nahm das Wasser auf. Die ganz große Katastrophe blieb aus, auch wenn die Feuerwehr bis zum nächsten Morgen rund 500 Einsätze zählte.

Mehr Starkregen, mehr Hagel

Starkregen und die Zunahme anderer extremer Wetterereignisse wie Hagelschauer sind ein Anzeichen für den Klimawandel im Land. Es gibt weitere: „Wir können nachweisen, dass die Zahl warmer und heißer Tage zugenommen hat, dass heimische Baumsorten wie die Fichte durch höhere Temperaturen bedroht sind und die Gefahren durch Baumschädlinge zunehmen. Das sind eindeutige Hinweise auf den Klimawandel“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Dienstag bei der Vorstellung des „Monitoringberichts zu Klimafolgen und Anpassung“.

Darin legte Untersteller dem Kabinett eine Bestandsaufnahme zu Folgen des Klimawandels im Land in neuen verschiedenen Bereichen sowie entsprechende begonnene Anpassungs-Maßnahmen vor. Beides sei wichtig: Maßnahmen zum Klimaschutz, aber auch Anpassung an die Veränderungen.

Denn aufzuhalten sei der Klimawandel nicht. In den letzten 30 Jahren stieg die Durchschnitts­temperatur um rund ein Grad Celsius, die Zahl der besonders heißen Tage nahm deutlich zu, die der Eistage ab. Für eine umfassende Wirkungsanalyse sei es noch zu früh, sagte Untersteller. Aber: „Besonders die Landwirtschaft, die Wald- und Forstwirtschaft sowie die Bereiche Wasser und Biodiversität sind bereits stark betroffen.“