In Bayern reicht der Widerstand gegen Stromtrassen bis in die Staatskanzlei, im Südwesten sorgt die Energiewende auf kommunaler Ebene für Zündstoff. So formiert sich in Wendlingen und Umgebung Widerstand gegen den geplanten Endpunkt der Stromtrasse des Projektes "SuedLink" nahe Stuttgart. Die Bürgermeister rund um den 16 000-Einwohner-Ort wollen sich in Kürze mit dem Landrat treffen, um eine Strategie gegen die ungeliebte Planung des Netzbetreibers Transnet BW zu entwickeln.

"Wir fühlen uns schlecht informiert und sind verärgert, weil man uns nicht sagt, wie das genau funktionieren soll", sagt Bürgermeister Steffen Weigel (SPD). Viele der Kollegen in den betroffenen Gemeinden, darunter Esslingen, Kirchheim, Nürtingen, Wernau, Deizisau, Plochingen, seien noch gar nicht informiert. "Momentan fühlen wir uns vor den Kopf gestoßen", sagt der Wendlinger Bürgermeister.

Bis vor kurzem hatte noch die Gemeinde Hüttlingen im Ostalbkreis den Schwarzen Peter in Form des Trassen-Endpunktes "Goldshöfe". Jetzt die in Schleswig-Holstein startende Stromautobahn näher an den Großverbrauchern im mittleren Neckarraum enden. Das Milliardenprojekt "SuedLink" soll Strom aus Windkraft aus dem Norden in den Süden Deutschlands bringen.

Das Problem für Wendlingen ist nicht so sehr das bestehende Umspannwerk, obwohl Weigel auch dort neue Zuleitungen befürchtet, als der Konverter. Diese Anlage wandelt Gleich- in Drehstrom um und benötigt eine Fläche von 100 000 Quadratmetern, das wären mehr als zehn Fußballfelder. Arbeitsplätze sind mit der Anlage nicht verbunden. Die Wendlinger seien schon genug belastet mit ihrer Nähe zum Landesflughafen, zur Autobahn 8, zwei Zugstrecken und künftig der Neubautrasse von Stuttgart nach Ulm, klagt Weigel. "Man kann den Leuten hier nicht mehr zumuten."

Regina König von Transnet BW betont, das Unternehmen werde mit den Betroffenen den Dialog suchen, bevor es in die Planung eintrete. Für den Naturschutzbund Deutschland ist "SuedLink" eine "unstrittige und wichtige" Trasse.

Unterdessen atmen Politiker und Bürger im Ostalbkreis auf, weil der Kelch an ihnen vorüber gegangen ist: Der Endpunkt der Trasse ist ebenso vom Tisch wie eine von dort ausgehende 380 Kilovolt-Leitung in die Region Mittlerer Neckar.

Nach den Worten des Landrats Klaus Pavel konnte beides dank der interkommunalen Interessengemeinschaft aus den Kreisen Ostalb, Göppingen und Rems-Murr und zehn Bürgerinitiativen verhindert werden.