Kirchzarten Widerstände gegen Ansiedlung des Luchses

Foto: © Eric Isselee / Fotolia.com
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Kirchzarten / PETRA WALHEIM 06.05.2013
Ohne dass nachgeholfen wird, wird der Luchs im Land nicht heimisch werden. Das steht fest. Die Frage, ob nachgeholfen werden soll, ist noch nicht beantwortet. Noch gibt es zu viele Widerstände.

"Es gibt aktuell einen Luchs im Südschwarzwald." Darin sind sich die Experten der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg einig. Das Foto, das ein Autofahrer im März von einem am Straßenrand sitzenden Luchs geschossen hat, war nur ein Beweis dafür. Weitere haben die Fotofallen geliefert, die aufgestellt wurden. Micha Herdtfelder vom Luchs-Monitoring der FVA betonte in einer Podiumsdiskussion, zu der die Luchs-Initiative nach Kirchzarten bei Freiburg eingeladen hatte, es sei ein Einzeltier. Deshalb sei nicht damit zu rechnen, dass die Wildkatze bleibe. Luchse siedeln sich nach seiner Aussage nur dort an, wo schon Luchse sind.

Um die Raubkatze im Land zu halten, müssten weitere Tiere angesiedelt werden. Darüber wird seit Jahrzehnten diskutiert. Jäger, Schäfer und Landwirte sind dagegen. Sie fürchten um ihr Wild und ihre Haustiere. Der Landesjagdverband vertrat bislang den Standpunkt, der Luchs sei willkommen, wenn er von alleine einwandere. Eine Ansiedlung kam nicht in Frage. Doch nun scheint Bewegung in die starre Haltung der Jäger zu kommen. Der neue stellvertretende Landesjägermeister Wolf Riedl aus Feldberg kündigte an dem Abend interne Diskussionen und Überzeugungsarbeit an. Er hob die schon vorhandene Mitarbeit der Jäger hervor. "Ohne die Jäger würde es das Luchs-Monitoring nicht geben." Denn sie seien es, die ihre Beobachtungen weitergeben würden.

Doch ohne Ansiedlung wird der Luchs im Land nie heimisch werden. Das machte Micha Herdtfelder deutlich. Lebensräume seien für das scheue Tier genügend vorhanden, betonte er. "Doch sie haben nur eine moderate Ansiedlungs-Tendenz." Anders als Wölfe, die ganze Landstriche besiedelten, würde der Luchs eher umherstreifen. Außer er habe Nachbarn. Die findet er aber nur, wenn mehrere Luchse angesiedelt werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich im Land nur durch natürliche Zuwanderung eine Luchs-Population entwickelt, gehe gegen null, sagte der Experte.

Außerdem ist die Sterberate bei den Großkatzen relativ hoch. Sie werden überfahren oder illegal abgeschossen. "Auch die Populationen, die es in der Schweiz gibt, sind nur durch Ansiedlung entstanden", sagte Herdtfelder. "Wenn wir den Luchs hier haben wollen, müssen wir zwölf bis 30 Tiere auswildern", sagte Herdtfelder.

Doch der Luchs hat ein Akzeptanzproblem. Das sieht auch Jäger Wolf Riedl so. "Wenn der Luchs nicht akzeptiert wird, wird das Ansiedlungs-Projekt ein Rohrkrepierer. Und das sollten wir dem Luchs nicht antun", betonte er. Herdtfelder appellierte an die Interessensgruppen, sich nicht zu bekämpfen, sondern miteinander zu reden, einander gut zuzuhören und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Reinhold Pix, Landtagsabgeordneter der Grünen, kündigte von politischer Seite für 2014 eine Expertenrunde zur Ansiedlung des Luchses an. "Wir können das nur im Einvernehmen mit der Jagd und dem Naturschutz realisieren." Das Ziel soll sein, die Großkatze bis 2016 wieder anzusiedeln.

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