Finanzen Welche Kommunen ohne Schulden auskommen

Stuttgart / Hans Georg Frank 18.07.2018
Schuldenfreie Verwaltungen sind meist in kleinen Gemeinden. Eine Ausnahme ist seit langem Bietigheim-Bissingen.

In der Bilanz von 106 der 1101 Südwest-Kommunen fand das Statistische Landesamt Ende des Jahres 2017 keine Schulden. Diese Verwaltungen kommen auch bei den Nebenbetrieben ohne Kredite aus. Die Rathäuser liegen meist in kleineren Orten wie in Böllen (94 Einwohner), Emeringen (128) oder Drackenstein (416). Die Mehrheit der schuldenfreien Bürgermeister sind für das Wohlergehen von weniger als 5000 Einwohnern verantwortlich. Lediglich zwei der unverschuldeten Städte haben mehr als 10.000 Einwohner: Engen bei Konstanz (10 744), mit Abstand größte in dieser Runde ist seit Jahren Bietigheim-Bissingen im Kreis Ludwigsburg (43.225).

Oberbürgermeister Jürgen Kessing (SPD) führte die gute Situation nicht nur auf die „wirtschaftlich sehr positive Ausgangslage zurück“, wie er bei der Einbringung des Etats für 2018 erklärte: „Dank unserer finanzpolitischen Weitsicht in den letzten Jahren ist unsere Finanzkraft auch in den nächsten Jahren so gut, dass wir alle anstehenden Investitionen schultern können, egal ob im Wohnungs- oder Schulhausbau, beim Brandschutz oder beim Ausbau der Kindertagesbetreuung.“

Dabei hält die Stadt an niedrigen Steuersätzen fest. Die Gewerbesteuer liegt bei 335 Prozent gegenüber dem Landesschnitt von 364. Aus diesem Sektor werden dieses Jahr 36 Millionen Euro erwartet. Bei der Grundsteuer B ist die Diskrepanz noch krasser. Bietigheim-Bissingen begnügt sich mit 255 Punkten, während im Durchschnitt des Landes 381 verlangt werden.

Der Schuldenstand aller anderen Städte und Gemeinden summiert sich auf 12,9 Milliarden Euro, das entspricht einer durchschnittlichen Pro-Kopf-Verschuldung von 1173 Euro. Sehr hohe Schuldenlasten entdeckten die Statistiker in Kurorten und Tourismusgemeinden.

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