Stuttgart Welche Bildung haben die Flüchtlingskinder? Land will "passendes Angebot" machen

Stuttgart / DPA 08.01.2016
Die Unterbringung von Flüchtlingen ist nur eine Herausforderung für das Land. Auch die Integration in die Schulen erfordert große Anstrengungen.

Das Land will von Mitte Januar an systematisch die Bildung von Flüchtlingskindern erfassen. Nach einem Probelauf in der Erstaufnahmeeinrichtung Meßstetten im Zollernalbkreis soll die so genannte Bildungsbiografische Ersterfassung auch im Registrierungszentrum Heidelberg erfolgen, teilte das Kultusministerium gestern mit. Erhoben werden die schulischen Voraussetzungen, welche die jungen Flüchtlinge mitbringen. Ziel ist, ihnen ein passendes Angebot zu unterbreiten.

Gefragt wird etwa, wie lange die Kinder in ihrem Heimatland in der Schule waren, wie gut sie lesen und schreiben können und welche Sprachen sie sprechen. Um den Schulbesuch der jungen Schutzsuchenden sicherzustellen, hat das Ministerium 30.000 pensionierte Lehrer angeschrieben. Mehr als 500 Pädagogen hätten sich bislang grundsätzlich bereiterklärt auszuhelfen, hieß es im Kultusministerium. Gebraucht werden 600 Lehrer.

Für den Unterricht von Flüchtlingen wurden bereits zum Beginn des aktuellen Schuljahres 562 zusätzliche Lehrerstellen geschaffen. Im Kultusministerium wird über weitere Schritte zur Lehrergewinnung nachgedacht, etwa die gezielte Ansprache von angehenden Lehrern zwischen dem 1. Staatsexamen und dem Beginn des Vorbereitungsdienstes.

Künftig soll ein neues Fortbildungskonzept Lehrer für den Unterricht von Flüchtlingen qualifizieren. Schwerpunkte sind neben Sprachförderung und Alphabetisierung auch Interkulturelle Bildung, Elternarbeit und der Umgang mit Traumata. Die ersten Fortbildungen sind zum Schuljahr 2016/17 geplant. Um die Pädagogen für den Umgang mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen zu wappnen, gibt es bereits ein gezieltes Fortbildungs- und Supervisionsangebot. Im Schuljahr 2014/15 nutzten dies 1200 Lehrer. Im Schuljahr 2015/2016 stehen dafür 2050 Plätze bereit.

In Baden-Württemberg werden derzeit etwa 30.000 junge Menschen in knapp 2200 Vorbereitungsklassen unterrichtet. Die meisten besuchen eine Werkrealschule.