Stuttgart Was im neuen Bildungsplan-Entwurf für Baden-Württemberg steht

Unterricht am Marbacher Schiller-Gymnasium. Aus Lehr- werden jetzt Bildungspläne - mit Vorgaben, was Schüler am Ende jeder Klasse erreichen sollen. Foto: dpa
Unterricht am Marbacher Schiller-Gymnasium. Aus Lehr- werden jetzt Bildungspläne - mit Vorgaben, was Schüler am Ende jeder Klasse erreichen sollen. Foto: dpa
Stuttgart / UTE GALLBRONNER 07.02.2014
Petitionen, Demonstrationen, Streit - selten hat es um eine Lehrplan-Reform so viel öffentliche Aufregung gegeben. Doch inzwischen geht es ja auch um Bildungspläne. Ein paar Fakten, rund um die Reform.

Bildungs- statt Lehrplan: Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat sich auf bundesweit geltende Bildungsstandards geeinigt. Diese beziehen sich nicht mehr auf die Schularten, sondern auf den jeweiligen Abschluss. Während Lehrpläne angegeben haben, was und wie "gelehrt" werden soll, geben Bildungspläne an, was die Schüler am Ende einer bestimmten Klasse können sollen, welche Kompetenzen sie also haben.

Die Gründe: In Baden-Württemberg gibt es seit dem Jahr 2004 Bildungspläne. Jetzt werden die Pläne überarbeitet, wegen der zu großen Stofffülle und Unklarheiten bei den Prüfungsanforderungen. Für die Sekundarstufe I (also die Klassen 5 bis 10) der Haupt-, Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschulen soll ein gemeinsamer Plan entstehen, in dem unterschiedliche Niveaus definiert werden. Für das achtjährige Gymnasium soll es einen eigenständigen, aber nicht unabhängigen Plan geben. Was fehlt sind die Sonderschulen sowie die beruflichen Schulen.

Der Ablauf: Inzwischen gibt es bereits Arbeitsfassungen für die Grundschule sowie für die Orientierungsstufe, also die Klassen 5 und 6. Seit Beginn des Schuljahres wird nun an 59 Schulen der Praxistest gemacht. Die Testschulen haben sich dafür freiwillig gemeldet, sowohl die Lehrer- als auch die Schulkonferenz mussten zustimmen. An 20 Grundschulen werden die Pläne für Deutsch und Mathematik eingesetzt. An 39 weiterführenden Schulen wird in den Klassen 5/6 getestet, wobei jeweils nur bestimmte Fächer verändert werden. Schüler, Eltern und Lehrer sollen ihre Meinung sagen dürfen, ebenso wie Experten. Von September 2015 an sollen alle Erst- und Zweitklässler sowie die 5. und 6. Klassen (außer G 8) nach den neuen Plänen unterrichtet werden, dann folgt Jahr für Jahr eine weitere Jahrgangsstufe. 2016 geht es für die 5. und 6. Klassen am achtjährigen Gymnasium los.

Fächerverbünde: Damit Kinder leichter zwischen den Schularten wechseln können, gibt es überall neue Fächerverbünde: "Naturphänomene und Technik" (Klasse 5/6) für die Fächer Physik, Chemie, Biologie und Technik. Das neue Wahlpflichtfach "Alltagskultur, Ernährung, Soziales" ersetzt "Mensch und Umwelt" (Realschulen) sowie "Gesundheit und Soziales" (Werkrealschule). Auch Inhalte des bisherigen Fächerverbunds "Wirtschaft, Arbeit, Gesundheit" der Werkrealschule sollen einfließen. Für alle, also auch Gymnasiasten ist "Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung" geplant.

Die Fremdsprachen: Weiter wird in der 1. Klasse mit Englisch begonnen, mit Ausnahme der Schüler am Rhein, die bei Französisch bleiben. Neu ist, dass die zweite Fremdsprache, falls gewählt, auch an Real- und Gemeinschaftsschule in Klasse sechs beginnt. Offen bleibt, was am neunjährigen Gymnasium passiert (bisher Start in 7. Klasse).

Die Leitprinzipien: Große Diskussionen haben die fünf Leitprinzipien ausgelöst. Bildung für nachhaltige Entwicklung, Medienbildung, Verbraucherbildung, Prävention und Gesundheitsförderung sowie die Berufliche Orientierung. Diese Prinzipien sollen von der ersten Klasse bis zum Abschluss in allen Fächern vermittelt werden. Wie sie in die Bildungspläne verankert werden, das sollen die Bildungsplankommissionen erarbeiten.

Die Streitpunkte: Neben fachlichen Einzelinteressen, unter anderem haben sich schon Biologie- und Geografielehrer zu Wort gemeldet, sowie der Debatte um die sexuelle Vielfalt, ist vor allem der Begriff "Einstellungen" strittig. Diese gelten neben Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnissen als grundlegende Kompetenz. Doch hier sehen Lehrer große Probleme auf sich zukommen: Wie sollen sie Einstellungen vermitteln ohne eine bestimmte Gesinnung weiterzugeben. Vor allem: Wie soll man eine Einstellung oder Haltung eines Schülers prüfen und bewerten?

Wer mitreden darf
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