Schulstart im Südwesten Was bringt das neue Schuljahr?

Stuttgart / Axel Habermehl 07.09.2018
Auch diesmal stehen im Schulbereich einige Änderungen an. Überwiegend geht es aber nur um den Vollzug bereits angestoßener Reformen. Das dominierende Problem ist der Lehrermangel.

Nach gut sechs Wochen Ferien werden sich am Montag in Baden-Württemberg ziemlich genau 1 497 029 Schülerinnen und Schüler – wobei Erst- und Fünftklässler oft noch ein paar Tage Schonfrist haben – in etwa 69 132 Klassen zusammenfinden. Dann geht das neue Schuljahr los. Ein Überblick über ausgewählte Neuerungen, kultuspolitische Reformschritte und andere Details.

Lehrermangel

Er dominiert alles. Zwar ist laut Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) die Unterrichtsversorgung im Land gesichert, doch Opposition, Gewerkschaften und manch Schulleiter bezweifeln das. Unstrittig ist: Es fehlen Lehrer. Für die zu besetzenden 5700 regulären und unbefristeten Stellen an öffentlichen allgemeinbildenden und beruflichen Schulen des Landes fand man nur 4950 Lehrer.

Mit 370 offenen Stellen trifft es die Grundschulen am härtesten. Doch auch an Realschulen (170) ist die Lage heikel. Trotz aller Notmaßnahmen des Ministeriums (Eisenmann: „Wenn ich das Paket nicht aufgesetzt hätte, wären wir bei über 1000 unbesetzten Stellen.“) hat sich die Lage im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert. Da bundesweit qualifiziertes Personal fehlt, ist guter Rat teuer. Die Gewerkschaft GEW fordert eine größere Vertretungsreserve und eine höhere Altersermäßigung, damit mehr Lehrkräfte bis zur Pensionierung arbeiten.

Förderung

Eisenmann betont oft, dass sie, abgesehen vom Totalumbau der Schulverwaltung, keine Strukturreformen plant. Sie wolle lieber die Qualität des Unterrichts erhöhen. Im neuen Schuljahr startet dazu an 64 Schulen mit rund 3400 Schülern das Programm „Lesen macht stark“ und „Mathe macht stark“. Entwickelt wurde das Konzept in Schleswig-Holstein. Es ist auf drei Schuljahre angelegt und wird wissenschaftlich evaluiert.

Fremdsprachen

Es ist der letzte Umsetzungsschritt einer Reform: Die Erstklässler, die nun anfangen, erhalten keinen Unterricht in Englisch oder Französisch. Der startet nun erst ab Klasse drei. Eisenmann legt seit 2016 einen Schwerpunkt auf „die Schlüsselqualifikationen“ Lesen, Schreiben, Rechnen. Dafür gibt es zusätzliche Förderstunden: Die Grundschulen erhalten künftig aufbauend vier zusätzliche Stunden, die vorrangig zu individueller Förderung in Deutsch und Mathe dienen sollen. Vorletztes Schuljahr gab es je eine zusätzliche Stunde für Deutsch und Mathe in den Klassen eins und zwei. 2017/18 kam eine Stunde für Klasse drei dazu, nun folgt der letzte Ausbauschritt: eine weitere Stunde für die Klassenstufe vier.

Migration

Der Unterricht für Kinder von Zuwanderern geht weiter, laut Kultusministerium verstärkt es die Sprachförderung. Schüler, die kein Deutsch spreche, besuchen sogenannte Vorbereitungsklassen (VKL), bevor sie in den Regelunterricht kommen. Für Ältere gibt es das „Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf ohne Deutschkenntnisse“ (VABO). Für den Bereich werden 565 Stellen (Gegenwert: rund 35 Millionen Euro) verlängert. Schulämter erhalten im neuen Schuljahr pro VKL in der Grundschule zusätzlich zwei Stunden für Sprachförderung. Der Wechsel von VKL in Regelklassen wird bis zu zwei Jahre lang mit bis zu vier Wochenstunden unterstützt. Die Stundentafel im VABO wird nachgeschärft und erhöht: mit mehr Mathematik, Berufsorientierung, Englisch und Computeranwendungen.

Rechtschreibung

Sie sieht Eisenmann ja als Schlüsselqualifikation. Mit Beginn des Schuljahres wird daher auch eine neue Handreichung verbindlich: der „Rechtschreibrahmen“ als Grundlage des Deutschunterrichts in den Klassen eins bis zehn. Ausgewählte Lehrer und Wissenschaftler haben das Papier konzipiert, laut Kultusministerium soll es „eine verlässliche Orientierung sowie fachdidaktische Impulse für einen fundierten Rechtschreibunterricht bieten“.

Informatik

Der Ausbau des immer noch jungen Fachs geht weiter. Bisher begann der Unterricht in Klasse 7 der allgemein bildenden Gymnasien als Aufbaukurs. Im neuen Schuljahr wird der Kurs planmäßig auf alle weiterführenden Schularten ausgerollt. An Gymnasien startet das neue Fach „Informatik, Mathematik, Physik“ (IMP). Darin sollen sich Schüler im Anschluss an den Aufbaukurs Informatik vertieft mit den drei Fächern auseinandersetzen.

Wirtschaft

Auch der Ausbau dieses jungen Fachs geht weiter: „Wirtschaft, Berufs- und Studienorientierung“ wurde 2017/18 in Klasse 7 der Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschulen eingeführt. Ab Montag startet das Fach nun auch an Gymnasien, beginnend mit den Achtklässlern. Ziel ist, mehr für ökonomische Grundbildung und Ausbildungs- sowie Studienorientierung zu tun „und Schüler auf konkrete ökonomisch geprägte Lebenssituationen vorzubereiten“.

Oberstufen

In Konstanz und Tübingen gehen landesweit die ersten zwei gymnasialen Oberstufen an Gemeinschaftsschulen an den Start. Knapp 90 Schüler wollen diesen Weg zum Abitur gehen. Da die Schulart immer noch Schauplatz ideologischer Gefechte ist, werden die Jugendlichen kaum unter mangelnder Aufmerksamkeit der Politik leiden.

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