21. Januar, Generalkonsulat der Arabischen Republik Ägypten, Frankfurt: Mohammed Abdullah muss dort persönlich vorsprechen, wieder einmal.

"Es ist immer das Gleiche", sagt Abdullah. "Die gleichen Fragen, die gleichen Antworten." Etwa, wo er gelebt habe, wo seine Verwandten leben. Das wollen die Mitarbeiter wissen, ob zum wiederholten Male in der algerischen Botschaft, im marokkanischen Generalkonsulat, bei der palästinensischen Vertretung in Berlin oder im tunesischen Konsulat. Ergebnis: Null. Noch immer hat ihn keiner der Staaten als seinen Bürger anerkannt.

Seit 2005 versucht die deutsche Ausländerbehörde wie berichtet Abdullahs Nationalität zu klären - auch wenn dieser seit Jahren beteuert, im Gazastreifen, einem Teil der palästinensischen Autonomiegebiete, geboren worden zu sein. Belegen kann er das nicht, er hat keine Unterlagen.

Der 39-Jährige kam vor elf Jahren als Asylbewerber nach Deutschland, ohne Papiere. Inzwischen lebt er in einer kleinen Wohnung in Erbach. Geduldet. Da seine Staatsangehörigkeit nicht geklärt ist, wird die Duldung alle paar Monate verlängert. Ein Bleiberecht hat er nicht, doch ausreisen kann er auch nicht. Eine Abschiebung ist ebenfalls nicht möglich - wohin?

Als kleines Kind kam er mit seiner Mutter nach Ägypten, ihrer Heimat, erzählt Abdullah. Sie habe ihn verlassen, als er drei Jahre alt war, er blieb bei einer Pflegefamilie zurück, die ihn als Haussklaven ausnutzte. Mit 29 Jahren floh er in einem Boot von Libyen übers Mittelmeer nach Italien und weiter nach Deutschland. Voll Hoffnung, "dort was Gutes zu finden". Er beantragte Asyl. Als das Verfahren nicht voranging, machte er sich auf nach Schweden. Eine verhängnisvolle Entscheidung: Just zu dieser Zeit wurde Abdullah vom Bundesamt für Migration in Karlsruhe vorgeladen, um mittels Sprachtest seine Nationalität zu klären.

"Obwohl sie ganz genau wussten, dass er zu diesem Zeitpunkt schon in Schweden war", sagt sein Anwalt Thomas Oberhäuser, der auf Ausländer- und Asylrecht spezialisiert ist. "Sie haben ihn ins offene Messer laufen lassen."

Da Abdullah nicht zur Anhörung kam, lehnte das Bundesamt für Migration in Karlsruhe Abdullahs Asyl-Antrag als "offensichtlich unbegründet" ab. Eine "Katastrophe", meint der Anwalt, denn diese Entscheidung gelte lebenslang. Oberhäuser hat darum beantragt, Abdullahs Verfahren wieder aufzunehmen.

Es bestehe ein "besonderes öffentliches Interesse an der zügigen Aufenthaltsbeendung abgelehnter Asylbewerber" - steht in dem Schreiben des Bundesamts für Migration, in dem Abdullah über seinen Pflichttermin beim ägyptischen Konsulat am 21. Januar informiert wurde. Zügig? Rechtsanwalt Oberhäuser hatte beim Verwaltungsgericht Sigmaringen mehrere Klagen eingereicht, unter anderem wegen "Untätigkeit".

Da das Bundesamt für Migration Untätigkeits-Klagen seit vergangenem Sommer jedoch nicht mehr akzeptiert, muss die Frage gerichtlich entschieden werden. Wann das sein wird, sei "zeitlich nicht absehbar", sagt Oberhäuser. Immer noch nicht. Die jahrelange Warterei, die Unsicherheit, die Bürokratie - all das zerrt gewaltig an den Nerven von Abdullah. Und mündet in Depressionen, Anspannung, Wohnungsproblemen.

Doch etwas hat sich bewegt. Dem 39-Jährigen steht seit einiger Zeit Alfons Beuttel aus Oberdischingen zur Seite, der im Erbacher Helferkreis aktiv ist. Mit Beuttels Hilfe hat es geklappt, dass Abdullah seinen ersten Kurs besuchen konnte. Einen Alphabetisierungskurs, denn er hat nie schreiben und lesen gelernt. Derzeit nimmt Abdullah an einem Integrationskurs teil - nach elf Jahren in Deutschland. Ein Berufspraktikum als Einstieg in die Arbeitswelt soll folgen. Vielleicht als Maler, meint Abdullah.

"Er ist lange durch alle Raster gefallen", sagt Beuttel. Wegen seiner ungeklärten Herkunft habe Abdullah keinen Status und dürfe erst seit einem Jahr arbeiten. Eine Beschäftigung für den 39-Jährigen, das ist das erklärte Ziel von Beuttels Einsatz - und ein Gebiet, auf dem sich der pensionierte Beamte auskennt: Der 60-Jährige war lange als Wirtschaftsförderer tätig.

Für Abdulla soll es nach vorne gehen, Beuttel zählt Schritt für Schritt auf: Erst müsse er die Sprache weiter lernen, damit erhöhten sich seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt, eine Beschäftigung bedeute mehr Geld, in der Folge eine bessere Wohnung und auch sozialen Anschluss.