Die Lebensgeschichte, die der schwarze Musiker mit ruhiger, leiser Stimme erzählt, klingt unglaublich. 1979 in den USA geboren und später auf Teneriffa von seiner Adoptivmutter und dem Kindermädchen weggeschlossen und misshandelt, sei er mit elf Jahren ins rheinland-pfälzische Bitburg gekommen. Dort habe ihn seine Adoptivmutter zurückgelassen, sagt Prince Lenny Penaloza. Er wisse nichts über seine Eltern, habe weder Pass noch Geburtsurkunde. "Vielleicht bin ich geklaut." Heute lebt er in Mannheim - und fühlt sich wie ein Gefangener. Sein sehnlichster Wunsch: ein Bleiberecht.

Momentan ist Penaloza in Deutschland nur geduldet. Die Stadt Mannheim hält seine Aussagen für "unglaubhaft und lückenhaft". "Herr Penaloza erfüllt die gesetzlichen Voraussetzungen für die Erteilung einer Aufenthaltsgenehmigung nicht", sagt ein Rathaussprecher. "Unter anderem ist seine Identität und Staatsangehörigkeit nicht geklärt, er besitzt keinen Pass, sein Lebensunterhalt ist nicht gesichert und es besteht kein Ausreisehindernis." Er habe sich nicht um einen Pass bemüht und auch zur Aufklärung seiner Identität nichts beigetragen.

Penaloza erzählt, auf dem Weg zu einem Auftritt sei er an der tschechischen Grenze festgenommen worden, weil er keinen Pass habe vorzeigen können. Schon seit 2006 sei er nun in Deutschland geduldet, sei auf Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz angewiesen, dürfe nicht arbeiten und Baden-Württemberg nicht verlassen. Sein Antrag auf Aufenthaltsgenehmigung wurde in zwei Instanzen abgelehnt.

Menschen, die langjährig von den Behörden geduldet werden und ohne Aufenthaltsrecht in Deutschland leben, sind nach Angaben der Flüchtlingsorganisation Pro Asyl keine Seltenheit. "Es geht um zehntausende Menschen, die aus verschiedenen Gründen nicht abgeschoben werden können", sagt Sprecher Bernd Mesovic. Die Gründe, warum Abschiebungen ausgesetzt würden - warum es also zur Duldung komme - seien vielfältig: Bestimmte Staaten wollten ihre Flüchtlinge nicht zurückhaben, ihre Botschaften stellten keine Reisedokumente aus. Auch humanitäre und gesundheitliche Gründe könnten eine Rolle spielen, etwa wenn das Herkunftsland ein Ebola-Gebiet sei.

Penalozas Schilderungen zufolge lebte er viele Jahre auf der Straße und bei Freunden, zog umher und begann, sich als Sänger zunächst in der Punkszene, dann in der Reggae- und Dancehouse-Szene einen Namen als "Wonda Prince" zu machen. Die neun Jahre seiner Duldung erlebte er als sehr belastende Zeit. "Es war die Hölle, ich bin depressiv geworden. Ich fühle mich wieder eingesperrt, es ist, als hätte jemand mein Leben gestohlen."

Es komme öfter vor, dass sich die Herkunft geduldeter Menschen nicht klären lasse, sagt Pro-Asyl-Sprecher Mesovic. "Ausländerbehörden behaupten oft sehr pauschal, dass der Betreffende nicht mitwirkt." Wer als "Mitwirkungspflichtverletzer" angesehen werde, habe schlechte Karten. Die Auseinandersetzung zwischen Ausländeramt und Geduldetem könne sich über Jahre hinziehen.

Penaloza habe sich um Klärung seiner Identität bemüht, betont dessen Freund Johannes Litty. Er habe bei US-Ämtern gefragt, habe in Spanien und den USA recherchiert, um seine Adoptivmutter ausfindig zu machen, Spuren in Bitburg verfolgt und in Onlineportalen und Vermisstenorganisationen in den USA nachgeforscht. Auf Verdacht der Behörde, er könne ghanaischer Staatsbürger sein, habe er sich der Botschaft von Ghana in Berlin vorführen lassen - doch Fehlanzeige.

Der Bund hat jüngst Änderungen im Aufenthaltsgesetz auf den Weg gebracht: Wer bisher nur geduldet ist, sich aber gut integriert hat, soll bessere Möglichkeiten bekommen, längerfristig in Deutschland zu bleiben. Ob Penaloza das hilft, ist offen.

Ohne Papierkrieg kein legaler Aufenthalt

Vorschriften Staatsbürger eines EU-Landes dürfen sich in der Europäischen Union frei bewegen. Andere Ausländer, die legal länger bleiben wollen, brauchen eine Aufenthaltserlaubnis oder die unbefristete Niederlassungserlaubnis.

Auf Zeit Die Aufenthaltserlaubnis gilt nur eine bestimmte Zeit. Sie wird zum Beispiel wegen Asylanerkennung erteilt, aus humanitären Gründen oder wegen Familiennachzugs. Eine Duldung bedeutet dagegen, dass jemand ausreisen muss, die Abschiebung aber vorerst nicht vollzogen wird, zum Beispiel, weil kein Ausweis vorliegt oder in der Heimat Krieg herrscht.

Bleiberecht Zehntausende leben nach Angaben von Pro Asyl mit dem unsicheren Duldungsstatus seit Jahren in Deutschland. Für sie fordern Kirchen, Gewerkschaften und Menschenrechtsorganisationen ein Bleiberecht. Ohne Aufenthaltsrecht, also ganz ohne Papiere, leben in Deutschland außerdem geschätzt zwischen 500 000 und 1,5 Millionen Menschen. eb

SWP