Forscher, die nach Projektende ausgetauscht werden, Mensa-Mitarbeiterinnen in Teilzeit, die von ihrem Lohn nicht leben können und das Land, das als Arbeitgeber die betriebliche Altersvorsorge kürzen will: Nach dem vorläufigen Scheitern der Tarifverhandlungen hatte Verdi landesweit zum Warnstreik aufgerufen - und die Wut auf der Straße war groß. So auch in Ulm, wo 200 Beschäftigte im öffentlichen Dienst auf die Straße gingen. Die Gewerkschaft fordert 5,5 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 175 Euro mehr im Monat.

"Die Befristung hat kein' Zweck die muss weg!", skandierten Streikenden zeitgleich in Tübingen, dazu gab's ein Konzert aus Trillerpfeifen und Ratschen. "Befristung bis zur Rente", nannte Yvonne Baumann vom Verdi-Bezirk Reutlingen-Tübingen Kettenverträge für viele Uni-Mitarbeiter/innen. Was die stellvertretende Verdi-Landesbezirksleiterin Dagmar Schorsch-Brandt und den Reutlinger Gewerkschaftssekretär Martin Gross richtig sauer macht, ist die Forderung der Arbeitgeberseite nach einer 20-prozentigen Kürzung der Altersvorsorge für den öffentlichen Dienst: "Damit produziert man Altersarmut." Angesichts zu niedriger Löhne bleibe bei vielen kein Geld für private Altersvorsorge übrig.

Landesweit waren 1200 Beschäftigte im Ausstand. In Reutlingen, Tübingen und Ulm folgten gestern nach Angaben der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) etwa 200 angestellte Lehrer dem Streikaufruf. Nach GEW-Schätzungen sind dadurch etwa 800 Stunden Unterricht ausgefallen.

Fast an jeder Schule arbeiten mittlerweile angestellte Lehrer. "Lieber streiken als betteln!", war in Tübingen auf einem Transparent zu lesen. "Ich mache die gleiche Arbeit wie meine verbeamteten Kolleginnen, bekomme aber einige hundert Euro weniger", sagte eine Lehrerin. Dass die Arbeitgeber nun noch die im Vergleich zu Beamten schlechtere Altersvorsorge kappen wollten, bringe das Fass zum Überlaufen.