Birkenfeld Waffennarr mit 30 Waffen verschwunden: Polizei veröffentlicht Foto

Spurensicherer beim Fotografieren vor P.s Haus in Birkenfeld bei Pforzheim
Spurensicherer beim Fotografieren vor P.s Haus in Birkenfeld bei Pforzheim © Foto: Hans Georg Frank
Birkenfeld / Hans Georg Frank 07.09.2018
Bei Pforzheim ist ein seltsamer Waffennarr spurlos verschwunden – sein gesamtes Arsenal auch. In der Wohnung wurde Blut gefunden.

Das Verschwinden eines Waffennarren bei Pforzheim gibt der Polizei Rätsel auf – und die Bewohner des Orts Birkenfeld sind nervös. Eine Sonderkommission mit 40 Beamten versucht, den mysteriösen Fall aufzuklären. Seit 29. August wird in Birkenfeld bei Pforzheim der 50-jährige Simon P. vermisst. In seiner Wohnung fanden Spurensicherer Blut, das zweifelsfrei ihm zugeordnet werden konnte. Nachbarn wollen an jenem Abend gegen 21.30 Uhr einen Streit mit zwei Unbekannten beobachtet haben. Seither sollen auch gut 30 Waffen aus der Wohnung verschwunden sein. Suchaktionen mit Hunden und Hubschrauber blieben ohne Ergebnis. Auch ein Waldgebiet wurde durchkämmt, ohne etwas Verwertbares zu finden.

Das Fahndungsfoto der Polizei
Das Fahndungsfoto der Polizei © Foto: Polizeipräsidium Karlsruhe

„Wir wissen nicht, was Sache ist“, fasste Staatsanwalt Bernhard Ebinger in Pforzheim die wenigen Erkenntnisse zusammen. „Es mag sein, dass er lebt, es mag sein, dass er einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist“, sagte Ebinger der SÜDWEST PRESSE. Die „Soko Wagner“ werte zwar 83 Hinweise aus, „aber die heiße Spur ist nicht dabei“.

Erst vor einem halben Jahr zugezogen

Der Fall bekommt eine besondere Brisanz durch die Leidenschaft des Einzelgängers. Simon P. soll nach unbestätigten Informationen mindestens 30 Waffen besessen haben. Alle sind seit jenem Mittwoch verschwunden. Sein Handwerk hat der Büchsenmacher in Österreich gelernt. Nach Angaben auf seinem Facebook-Profil hat er die Höhere Technische Bundeslehr- und Versuchsanstalt in Ferlach (Kärnten) besucht. Sie gilt im Bereich der Waffen- und Sicherheitstechnik als erste Adresse. Büchsenmacher absolvieren dort eine vierjährige Ausbildung, wobei der Praxis mit 75 Prozent eine herausgehobene Bedeutung zukommt.

Nach Gräfenhausen, einem Ortsteil von Birkenfeld mit etwa 2500 Einwohnern, ist P. erst vor gut einem halben Jahr gezogen. Er wohnte allein in einer Sackgasse mit vier Häusern, mitten im Ort, unweit des evangelischen Gemeindehauses.

Im Cowboy-Aufzug herumgelaufen

„Er hat eher zurückgezogen gelebt“, sagte Staatsanwalt Ebinger. Das erschwert die Fahndung offenbar, kann die Soko doch auf wenig verwertbare Fakten zurückgreifen. „Im Moment ist es sehr schwierig“, verlautete aus Polizeikreisen zum Stand der Ermittlungen. Schon die Beschreibung des verschwundenen Mannes fiel ziemlich dürftig aus: altersgerechtes Aussehen, kräftige Statur, kurze, dunkle Haare. Wie er angezogen war, blieb bereits rätselhaft. Doch in dem kleinen Dorf blieb nicht verborgen, dass er sich gerne auffällig gekleidet haben soll. „Mal wie ein Cowboy, mal wie ein Jäger“, erzählte ein Nachbar. Er hätte sich nicht gewundert, wenn der  Zugezogene ein Schauspieler wäre, sagte der Forstwirt im Ruhestand.

Die verschwundenen Waffen, deren genaue Zahl die Polizei nicht preisgibt, soll P. als Sportschütze und Jäger rechtmäßig besessen haben. Ob es darüber hinaus auch illegale Gewehre gegeben hat, ist nicht bekannt. P. soll sich einen guten Namen gemacht haben als versierter Experte, der auch Reparaturen erledigte. Zuletzt arbeitete er in Pforzheim bei einem Unternehmen der Metallbranche.

Wegen des angeblichen Arsenals in dem unscheinbaren Wohnhaus gerät der Fall für die meisten Gräfenhausener noch unheimlicher. Im Gespräch äußert sich mancher schockiert, andere sind froh, dass sich Simon P. nicht offensiv um Kontakte bemühte. „Ich möchte ihn gar nicht kennen“, betonte ein Verkäuferin.

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