Stuttgart Vom Ersatzamt zum Karriere-Center

Stuttgart / NICOLE HETTESHEIMER, DPA 05.12.2012
Seit dem Ende der Wehrpflicht muss die Bundeswehr um Bewerber buhlen und an ihrem Image feilen. Karrierebüros sollen neues Personal anlocken.

Die Bundeswehr rüstet sich nach dem Aussetzen der Wehrpflicht für den Arbeitsmarkt und investiert in ihren Nachwuchs. Bundesweit 16 Karriere-Center und 110 Karriereberatungsbüros sollen Bewerber für militärische und zivile Laufbahnen gewinnen. Als einer der wenigen Standorte im Südwesten bleibt das Kreiswehrersatzamt Stuttgart im Zuge des neuen Stationierungskonzeptes der Bundeswehr erhalten - allerdings unter dem neuen Namen Karriere-Center und mit deutlich mehr Personal. Denn künftig wird der Nachwuchs zentral in der Landeshauptstadt ausgewählt.

"Natürlich wird noch viel herum geräumt und geschaut, wo wir einzelne Büros zusammenlegen können. Aber bis jetzt haben wir es ganz gut geschafft", sagte der ehemalige Leiter des Kreiswehrersatzamtes in Stuttgart, Torsten Schmidt. Er ist künftig für die Planung der Bewerber zuständig. Insgesamt 189 zivile und 57 militärische Mitarbeiter werden in der Heilbronner Straße zusammenarbeiten, bisher waren 80 ausschließlich zivile Beamte im Einsatz. Die Spannung vor dem Start des neuen Karriere-Zeitalters war besonders groß, weil die Bundeswehr hier direkt am Bewerber dran ist.

"Wir gehen momentan neue Wege und das soll durch die neuen Namen auch zum Ausdruck kommen", sagte die neue Leiterin des Karrierecenters Stuttgart, Sylvia Jahnz. Carlheinz Schöller, Leiter des ärztlichen Dienstes auch im neuen Karriere-Amt, freut sich auf die Neustrukturierung. "Jetzt lernen wir auch mal andere Landsmannschaften aus Baden-Württemberg kennen." Neu für seine Abteilung sei es, als Arbeitgeber auftreten zu müssen und dabei den Nachwuchs noch genauer unter die Lupe zu nehmen.

"Die Anforderungen an den einzelnen Bewerber sind sicherlich gestiegen. Durch die Auslandseinsätze wird zudem ein besonderer Wert auf Teamfähigkeit gelegt. Denn die Bewerber sind später aufeinander angewiesen", sagte Schöller.

Durch die Eröffnung des neuen Karriere-Centers beginnt ein neues Kapitel der Bundeswehrgeschichte. Am 18. Januar 1957 fand in Stuttgart die bundesweit erste Musterung statt. "Der Standort hier in Stuttgart ist also schon immer etwas Besonderes", sagt Schöller.