Freiburg Volle Züge durchs Höllental

Neun Tunnelbauwerke, sieben Brücken, zwei Viadukte: Die Höllentalbahn zwischen Freiburg und Donaueschingen muss einen Höhenunterschied von fast 600 Meter überwinden. Seit 125 Jahren sind die Züge unterwegs. Foto: Karl-Heinz Zurbonsen
Neun Tunnelbauwerke, sieben Brücken, zwei Viadukte: Die Höllentalbahn zwischen Freiburg und Donaueschingen muss einen Höhenunterschied von fast 600 Meter überwinden. Seit 125 Jahren sind die Züge unterwegs. Foto: Karl-Heinz Zurbonsen
KARL-HEINZ ZURBONSEN 22.05.2012
Vor 125 Jahren dampften die ersten Loks durchs Höllental. Die 75 Kilometer von Freiburg nach Donaueschingen sind bis heute " Deutschlands steilste, anspruchsvollste und reizvollste" Bahnstrecke.

Zum 125. Jahrestag gab es Brezeln, Kaffee und Schokolade für die Fahrgäste der Höllentalbahn. Bahn-Mitarbeiter Alexandra Tröscher und Jason Hampel bewirteten gestern schon in aller Frühe am Gleis 7 des Freiburger Hauptbahnhofs Wanderer, Schüler und Pendler. Den ganzen Tag über wurden "goldene Höllentaler" an die Reisenden verteilt. Erinnerung an den 21. Mai 1887 - damals wurde die Höllentalbahn zwischen Freiburg und Neustadt offiziell durch den Großherzog von Baden eröffnet.

Zum Geburtstag orderte die Bahn nach Angaben von Marketingleiter Hendrik Erhard 5000 Höllentaler, 3500 Brezeln und 300 Liter Kaffee. Offiziell gefeiert wird erst am 24. Juni. Dann will die Deutsche Bahn mit großem Bahnhof "125 Jahre Höllentalbahn" und damit "ein gutes Stück Schwarzwald" feiern.

"Die Höllentalbahn ist prima, ich möchte, dass sie bleibt wie sie ist", sagt Margareta Schaller aus Freiburg, die seit 20 Jahren jede Woche zwei Mal mit der Bahn nach Neustadt fährt. "Jedes Mal, wenn ich mitfahre, schaue ich, ob der Hirsch noch auf seinem Fels im Höllental steht", sagt die Bahnfahrerin. Kritik übt sie an den Barrieren für Mütter mit Kinderwagen und Senioren im Rollstuhl in Bahnhöfen auf der Strecke zwischen Freiburg und Donaueschingen. Es sei ohne fremde Hilfe nicht möglich, die Bahnsteige zu wechseln, schimpft Margareta Schaller.

Die gewünschte Barrierefreiheit an der Höllentalbahn bleibt Sorgenkind. Erst in den nächsten Jahren sollen die Hürden abgeräumt werden - vermutlich im Zuge der Neuausschreibung des Betriebs auf der historischen Strecke. Das Land hat im vergangenen Jahr ein Ausschreibungsverfahren eingeleitet, das bis zum Jahr 2015 beendet sein soll.

Schon vor der Ausschreibung gab die DB Regio 1,3 Millionen Euro für Verschönerungsmaßnahmen aus, für neue Sitzbezüge, Toiletten und Kinderabteile in 30 Doppelstockwagen. Darüber hinaus schaffte die Bahn einen Fahrrad- und zwei zusätzliche Doppelstockwagen an. 220 Plätze mehr in den Zügen auf der Strecke bedeutet das.

Lokführer Lukas Flamm aus Oberried-Hofsgrund freut sich über ganz andere Seiten der Höllentalbahn: "Mich fasziniert die Strecke jeden Tag aufs Neue - ihr Verlauf und ihre tollen Ausblicke!" Die Bahn AG greift zu Superlativen, wenn sie über die Höllentalbahn schreibt. Es sei die "steilste Hauptbahn, die anspruchsvollste und reizvollste Strecke in Deutschland". Tatsächlich gilt die Bahn mit ihren neun Tunneln, sieben Brücken, zwei Viadukten und einem Höhenunterschied von fast 600 Meter als technisches Wunderwerk, auf dem zeitweise sogar D-Züge (Hamburg- Schluchsee) verkehrten.

Im ersten Betriebsjahr dampften täglich nur fünf Züge von Freiburg nach Neustadt. Von 1898 an wurde der Abschnitt von Neustadt nach Hüfingen gebaut und 1901 für den Bahnverkehr freigegeben. 1920 begann der Bau der 19 Kilometer langen Dreiseenbahn von Titisee nach Seebrugg.

Höllental- und Dreiseenbahn zählen dank der Regio-Karte und des Urlaubertickets "Konus" zu den Linien der DB Regio Südbaden, die am besten frequentiert sind. Mit täglich 60 Zügen hat sich die Höllentalbahn nach Einschätzung der BahnAG zum unverzichtbaren Verkehrsmittel für den Berufs- und Schülerverkehr, für Touristen und Tagesausflügler entwickelt. Sie wird täglich von durchschnittlich 16 000 Fahrgästen genutzt. Das sind im ganzen Jahr fast sechs Millionen, das macht eine Zunahme von 22 Prozent seit 2007.