Karlsruhe / RAIMUND WEIBLE Eine Abstimmung in der Region über den Nationalpark Nordschwarzwald schließt die Landesregierung aus. Dafür sei allein der Landtag zuständig, bekräftigte Forst-Ministerialdirektor Wolfgang Reimer.

In dem Dreieck zwischen Bad Wildbad, Baden-Baden und Freudenstadt plant die Landesregierung den Nationalpark Nordschwarzwald. In dieser Region wächst der Widerstand. Der Ruf wird laut, die Bürger des Gebiets über das Projekt abstimmen zu lassen. Das kommt für die grün-rote Landesregierung aber keinesfalls in Frage. Wolfgang Reimer, Ministerialdirektor im Ministerium für Ländlichen Raum, schloss während einer Fachtagung über den Nationalpark gestern in Karlsruhe eine Volksabstimmung aus. "Das ist kein Ding der Raumschaft", betonte Reimer.

Zugleich kritisierte Reimer die CDU, die sich hinter die Interessengemeinschaft "Unser Nordschwarzwald" gestellt hat, eine Initiative gegen das Nationalpark-Projekt. Reimer erinnerte daran, dass die CDU in ihrem Programm für die Landtagswahl 2011 sich selbst für den Nationalpark ausgesprochen habe. "Jetzt kommt Widerstand", sagt Reimer, "und schon fällt die CDU um." Opportunismus zahle sich aber nie aus. Die CDU hatte allerdings ihre Aussage über den Nationalpark mit dem Zusatz versehen, sie spreche sich nur dafür aus, wenn ihn die Bevölkerung vor Ort wolle.

Um die Problematik des Nationalparks zu klären, hat die Landesregierung im März ein Gutachten beim Beratungsunternehmen Pricewaterhouse Coopers und Ö:Konzept in Auftrag gegeben. Dieses Gutachten soll Anfang kommenden Jahres vorliegen. Reimer sagte, wenn die Gutachter sich gegen den Nationalpark aussprächen, würde der Landtag ihn auch nicht beschließen. Das renommierte Büro werde kein Gefälligkeitsgutachten abliefern. Allerdings ist laut Reimer aber nicht von einem ablehnenden Gutachten auszugehen. Er begründete das so: "Alle Erfahrungen sagen, dass die positiven Effekte überwiegen."

Befürchtungen, durch Borkenkäfer-Befall sterbe der Wald im Nationalpark großflächig ab, hält Reimer für unbegründet. Im Unterschied zum Bayerischen Wald sei das Gebiet wegen anderen Waldaufbaus nicht so gefährdet. Außerdem dürfe während der Entwicklungszeit des Nationalparks etwas gegen Borkenkäfer unternommen werden. Der Plan ist, Privatwälder durch einen 500 bis 700 Meter breiten Pufferstreifen vor einem Übergreifen des Borkenkäfers zu schützen. Der Botaniker Markus Bernhardt-Römermann von der Uni Regensburg bestätigte Reimers Position. Die Horrorvision eines toten Schwarzwalds sei unwahrscheinlich. Der Ökologe Volker Scherfose vom Bundesamt für Naturschutz verwies auf Befragungen von Nationalpark-Besuchern, die zeigten, dass größere Totholz-Gebiete nicht abschrecken. "Touristen gehen damit etwas relaxter um als die Menschen vor Ort."

Reimer stellte sich auch der Kritik aus der Sägeindustrie aus dem Schwarzwald, die durch die Nationalparks-Pläne einen Verlust an Holzeinschlägen befürchtet. Reimer meinte, da ein großer Teil der Parkfläche jetzt schon unter Schutz stehe, fielen die Einbußen nicht so ins Gewicht. Scherfose sagte, die Nutzung des Holzes werde nur in der Kernzone aufgegeben. Reimer zufolge wird es am Anfang auf jeden Fall noch Holzeinschläge geben.