Vogelgrippe Vogelgrippe: Viele „Freiland-Eier“ stammen aus dem Stall

Freiland oder Bodenhaltung? Schwer zu sagen dank Vogelgrippe.
Freiland oder Bodenhaltung? Schwer zu sagen dank Vogelgrippe. © Foto: dpa
Petra Walheim 08.02.2017
Trotz der landesweiten Stallpflicht seit Mitte November dürfen Eier weiter als Freiland-Eier verkauft werden. Das wird im Land auch noch bis Mitte März gelten.

Wer in Zeiten der Vogelgrippe Freiland-Eier kauft, dem muss bewusst sein, dass die Legehennen wegen der Stallpflicht kein Freiland gesehen haben. Eine EU-Verordnung erlaubt diese Praxis maximal zwölf Wochen lang. Danach müssten die Eier als aus Bodenhaltung stammend deklariert werden.

Baden-Württemberg hat aber einen Weg gefunden, die Frist um weitere zwölf Wochen zu verlängern. Andere Bundesländer im Norden und die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg sehen das Vorgehen kritisch. „Wir fordern eine eindeutige Kennzeichnung der Stall-Eier vom ersten Tag an“, sagt Christiane Manthey, Abteilungsleiterin Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale. Eier aus Freilandhaltung seien an bestimmte Bedingungen geknüpft, die nicht mehr gegeben seien. „Das sollte man den Verbrauchern zur Kenntnis geben.“ Die Stallpflicht für Legehennen dürfe nicht „zu einer Täuschung über die Haltung führen“, sagt sie. Erst recht nicht, wenn die Zwölf-Wochen-Frist – wie im Land geschehen – von vorne beginne.

Als Mitte November am Bodensee die Vogelgrippe ausbrach, hatte das Landwirtschaftsministerium die landesweite Stallpflicht angeordnet, um das Nutzgeflügel vor einer Infektion mit dem hochansteckenden Vogelgrippe-Virus H5N8 zu schützen. Sämtliches Federvieh musste in Ställe oder unter sichere Abdeckungen verbannt werden. Die Regelung galt bis 31. Januar.

Am 2. Februar aber wurde die landesweite Stallpflicht durch eine „risikoorientierte regionale Stallpflicht“ ersetzt. Die gilt bis 15. März für die Gebiete, in denen das Infektionsrisiko noch wie vor hoch ist. Aus dem Norden wurde der Vorwurf laut, das Ministerium habe die Stallpflicht für einen Tag ausgesetzt, um die Frist gleich danach aufs Neue beginnen zu lassen. Dem widerspricht das Ministerium. Der Grund für die Änderung der Stallpflicht sei eine neue Risikobewertung des Friedrich-Loeffler-Instituts und der Vogelwarte Radolfzell gewesen, sagt eine Sprecherin. Wie auch immer. Es ändert nichts daran, dass Eier, die aus Bodenhaltung stammen, nach wie vor als Freiland-Eier und damit teurer verkauft werden dürfen.

Geflügelhalter aus dem Norden, wo die Vogelgrippe sehr viel stärker grassiert, müssen die Eier allerdings umdeklarieren, können sie nur noch als Bodenhaltung-Eier verkaufen – und müssen mit enormen Einnahmeverlusten rechnen