Dienstsitz Villa Reitzenstein nach zwei Jahren Sanierungsarbeiten wiedereröffnet

Stuttgart / ANDREAS BÖHME 06.10.2015
Zwei Jahre lang wurde am Dienstsitz von Ministerpräsident Winfried Kretschmann gearbeitet. Nun erstrahlt die Villa Reitzenstein in Stuttgart nach der Grundsanierung wieder in altem Glanze.

Und das an seinem Geburtstag. Gleich zum Amtsantritt, ein Sonntag war’s und eben sein Ehrentag, krachte im Büro des Chefs der Staatskanzlei, Klaus-Peter Murawski, ein Holzbalken von der Schallschutzdecke und zersplitterte auf dem Schreibtisch. Auch sonst zeigte sich die Villa Reitzenstein, Dienstsitz des Ministerpräsidenten Baden-Württembergs, zunehmend altersschwach: Bei Winfried Kretschmann (Grüne) etwa regnete es durch die Decke in die Holzvertäfelung. Und obwohl der Landesvater zunächst mit dem einst teuersten Stuttgarter Einfamilienhaus fremdelte, ließ er es in den vergangenen beiden Jahren sanieren.

Elf Millionen Euro haben die Arbeiten gekostet, doch das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die Villa Reitzenstein ist wieder ein absolutes Schmuckstück, ausgestattet mit zeitgemäßer Technik vom Blockheizkraftwerk bis zur stromsparenden LED-Beleuchtung. Sogar die Sommerkühle ist hausgemacht – wenn auch leider den Nazis zu danken: Sie wird abgesaugt aus den Bunkern, die im Dritten Reich tief unter der Villa gegraben wurden.

Kretschmanns Dienstzimmer wurde entschlackt: Vorgänger Stefan Mappus hatte eine der beiden Türen igluartig verschalen lassen – wohl aus Angst, jemand könnte am Sekretariat vorbei einfach hereinplatzen. Nun sind alle Türen offen, aber richtig wohl ist es der Entourage auch nicht: Kretschmann, spottet Murawski, „kann sich wohl nichts Schöneres vorstellen, als im Dienst erschossen zu werden.“ Ernsthaft: Jeder Besucher kann nun auf den ersten Blick erfassen, wie der Regierungschef Akten, Büroklammern und etwas Kleingeld auf dem Schreibtisch hortet.

Weitere 16 Millionen Euro kosten der noch nicht ganz fertige Büroneubau und das Besucherzentrum im Park der Villa. Der Vorgängerbau wurde geschleift, Rosen- und Lustgarten der Baronin finden nun wieder Platz. In der Villa selbst erinnert eine Ahnengalerie an Kretschmanns Vorgänger. Deutlich vornehmer ist der Kabinettssaal geworden, beleuchtet von zwei ovalen Lichtringen. Und an die Decke im Büro von Klaus-Peter Murawski wurde hoffentlich auch gedacht.