Warthausen Verwertungsanlage: Was vom Tiere übrig bleibt

Ein Lkw liefert Schlachtabfälle in der Warthauser Tierkörperverwertung an. Das Material wird in der Anlage vor allem zu Tiermehl und Fett verarbeitet. Foto: Klaus Franke
Ein Lkw liefert Schlachtabfälle in der Warthauser Tierkörperverwertung an. Das Material wird in der Anlage vor allem zu Tiermehl und Fett verarbeitet. Foto: Klaus Franke
RAIMUND WEIBLE 03.04.2014
Täglich verenden Tiere auf Höfen, fallen Tonnen von Schlachtabfällen an. Die Kadaver landen in der größten Tierkörperverwertung des Landes in Warthausen. Das Tiermehl wird zu Brennstoff - und Dünger.

Vor dem Rolltor warnt ein Schild: "Zutritt für Unbefugte verboten! Seuchengefahr!" Ein Lastwagen nähert sich, fährt ein und schüttet seine Fracht in die Mulde. Menschen mit empfindlicher Nase sollten Abstand halten. Denn der Laster hat tote Tiere und Schlachtabfälle geladen. Ein übler Geruch entströmt dem Schacht.

"Montag und Dienstag sind bei uns die Hauptanlieferungstage", sagt Hermann Bauer. Der stämmige Mann ist Technischer Leiter der Tierkörperverwertung in Warthausen, die sich jetzt "Zweckverband Tierische Nebenprodukte Süd-Baden-Württemberg" (ZTN-Süd) nennt. 224 Tonnen kommen im Schnitt täglich in der Anlage an. Sie ist an drei Seiten von Wald umgeben. Die nächste Siedlung, Herrlishöfen, liegt 500 Meter entfernt. Als die Anlage 1977 gebaut wurde, hat man sie wohlweislich nach außerhalb verlegt - wegen der Gerüche.

Doch das mit den Gerüchen haben die Mitarbeiter offenbar im Griff. Vergangenes Jahr gingen laut Bauer nur zwei Klagen ein. In einem Fall stammte die Geruchsbelästigung von einem Bauern, der seine Wiesen mit Gülle düngte. Der Zweckverband leitet die Abluft der Anlage durch ein so genanntes Biobett: Ein Gemisch aus Kokos, Torf und Fasern bindet Gerüche. "Alle sieben Jahre müssen wir das Biobett auswechseln", sagt Bauer.

Die Anlage verarbeitete bisher 56.000 Tonnen Schlachtabfälle und Tierkadaver pro Jahr. Künftig wird die Jahresleistung zunehmen. Anfang des Jahres hat der Zweckverband die Protec in Orsingen (Kreis Konstanz) übernommen. Protec war für die Entsorgung im südbadischen Raum zuständig, verwertete 24.000 Jahrestonnen. Aber die Anlage fuhr Berichten zufolge zuletzt 1,5 Millionen Euro Defizit im Jahr ein. Daher die Fusion mit Warthausen. In Orsingen fährt inzwischen nur noch eine Schicht. Spätestens Ende 2014 wird der Betrieb in Orsingen ganz eingestellt. Dort verbleibt lediglich eine Sammelstelle.

Vorsitzender der ZTN-Süd ist Heiko Schmid, Landrat von Biberach. "Wir sind jetzt der größte Zweckverband für Tierkörperbeseitigung im Land", sagt er, "wir decken mehr als 60 Prozent des Gebiets von Baden-Württembergs ab." Den nördlichen Bereich des Landes entsorgt die Anlage in Hardheim (Neckar-Odenwald-Kreis).

Warthausen erwirtschaftete bisher ein ausgeglichenes Betriebsergebnis. Das strebt der Zweckverband auch nach der Übernahme von Orsingen an. Schmid vertraut auf Synergieeffekte. Die zusätzlichen Mengen lasten die Anlage in Warthausen besser aus. Sie hat Reserven. Die Kapazität liegt bei 120.000 Tonnen im Jahr, zugelassen ist sie für 85.000 Tonnen.

Die Anlage verfügt über zwei voneinander getrennte Stränge. Zur Kategorie 1 zählt Risikomaterial: Hirn und Wirbelsäule von seuchenverdächtigen Rindern, außerdem verendete Rinder, Schafe, Heim- und Zootiere. Aus diesem "K1-Material" wird Tiermehl, das verbrannt werden muss. "Wir haben dafür in der Zementindustrie Abnehmer in kurzer Entfernung", sagt Geschäftsführer Karl-Heinz Maucher. Vor ein paar Jahren musste der Verband für die Abnahme noch bezahlen. Inzwischen erhält er Geld dafür.

Material der "Kategorie 2" besteht aus verendeten Schweinen und Geflügel, aus beschlagnahmten tierischen Lebensmitteln und aus untauglichen Schlachtnebenprodukten. Daraus und "K3-Material" (Knochen, Fette, Fleisch, Schlachtkörperteile) produziert die Anlage Tiermehl und Fett. Das Tiermehl geht in die Düngemittelindustrie; seit dem BSE-Skandal darf es nicht mehr verfüttert werden. Das Fett geht in die Bio-Diesel-Produktion nach Holland. Früher wurde es auch von der Kosmetikindustrie verwendet. Doch seit der Krise wegen der Rinderseuche BSE verzichten die Kosmetiker aus Imagegründen darauf. Die Häute der Tiere gehen in die Lederindustrie nach Italien.

Die Zweckverbände sind längst keine Monopolisten mehr. Es gibt einen Markt. So sortieren Schlachthöfe unbelastetes Material aus und verkaufen es. Material, das den Zweckverbänden fehlt. Schmid: "Der Wettbewerb ist gnadenlos. Wir sind verdammt unter Druck."

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