Umweltschutz Verpackte Lebensmittel: Land drängt auf Schredder-Verbot

Umweltminister Franz Untersteller (Grüne).
Umweltminister Franz Untersteller (Grüne). © Foto: Lars Schwerdtfeger
Stuttgart/Kiel / Roland Muschel 26.06.2018
Baden-Württemberg ergreift gemeinsam mit Schleswig-Holstein Initiative, um Plastikreste auf Äckern zu minimieren.

Mit einer gemeinsamen Bundesratsinitiative wollen Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein den Bund dazu bewegen, das Schreddern von verpackten Lebensmitteln zu verbieten.  „Der Bundesrat ist besorgt über die weitere ungebremste Zunahme des Eintrages von Kunststoffabfällen in die Umwelt und hält weitergehende Maßnahmen zur Vermeidung und Verminderung dieser Einträge auch bei der Entsorgung verpackter Lebensmittelabfälle für dringend geboten“, heißt es im gemeinsamen Antrag.  Die Landesregierung in Stuttgart will den Vorstoß am Dienstag in ihrer Kabinettssitzung absegnen.

Aktuell sind etwa 37 Prozent der in der EU verkauften Lebensmittel verpackt. Bislang werden abgelaufene Lebensmittel aus Supermärkten oft zusammen mit ihren Plastikverpackungen zerkleinert, weil das Auspacken viel Zeit und Geld kostet. Die Plastikpartikel werden nach dem Schreddern mit Zentrifugen und Gittern zum Teil entfernt, es bleiben aber Rückstände in der Biomasse. Diese Reste werden oft mit unverpackten Bioabfällen vermischt und landet auf Äckern.

Die Länder Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg streben im Wesentlichen drei Veränderungen an: Lebensmittelabfälle sollen künftig vor ihrer Entsorgung ausgepackt werden müssen. Speiseabfälle aus der Gastronomie, aber auch aus der Lebensmittelproduktion sollen zudem nicht mehr wie Gewerbeabfall, sondern wie Siedlungsmüll behandelt werden – dieser muss sauber getrennt werden. Und: Die Düngemittelverordnung soll reformiert werden. Bisher sind auf den Äckern 0,5 Prozent Fremdstoffe in der Trockensubstanz erlaubt. Diesen Grenzwert halten der Kieler Umweltminister Robert Habeck (Grüne) und sein Stuttgarter Amtskollege und Parteifreund Franz Untersteller für viel zu hoch.

In Baden-Württemberg liegt aktuell ein Antrag für eine Anlage zur Aufbereitung von verpackten Lebensmittelabfällen vor. Der sah zunächst vor, verpackte Lebensmittelabfälle gemeinsam mit „fremdstofffreien“ Bioabfällen zu verwerten. Nach mehreren „Besprechungen“ habe der Antragsteller nun aber eine separate Entpackung der Lebensmittelabfälle in den Antrag aufgenommen, berichtet der grünen Umwelt-Staatssekretär Andre Baumann in einer Vorlage für das Kabinett. 

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