Tübingen Verleger wegen Volksverhetzung verurteilt

Tübingen / RAIMUND WEIBLE 07.03.2013
Haftstrafe auf Bewährung und 5000 Euro Buße wegen Volksverhetzung: Nicht die erste Verurteilung für den rechtsextremen Verleger Wigbert Grabert.

Richter Benjamin Meyer-Kuschmierz nahm zu dem Mann mit dem vollen grauen Haar auf der Anklagebank Blickkontakt auf. Dann attestierte er ihm mit fester Stimme: "Sie sind uneinsichtig." Bisherige Verurteilungen hätten leider keinen erkennbaren Eindruck auf ihn gemacht. Daher halte er, so Meyer-Kuschmierz, eine Freiheitsstrafe für unerlässlich.

Ebenfalls ohne erkennbare Reaktion nahm Wigbert Grabert (72) die Richterworte entgegen. Der rechtsextreme Chef des gleichnamigen Verlags in Tübingen wurde vom Amtsgericht Tübingen zu elf Monaten Gefängnis auf Bewährung und zur Zahlung von 5000 Euro für den Förderverein krebskranker Kinder verurteilt. Eingerechnet wurde in dieses Strafmaß eine frühere Verurteilung durch das Gericht wegen eines ähnlichen Vorwurfs.

Erneut verurteilt wurde Grabert, weil er 2009 ein Werk des ebenfalls rechtslastigen Autors Helmut Schröcke veröffentlicht hat. Schröcke leugnet nach Auffassung des Gerichts in seinem Band über den Zweiten Weltkrieg das Massaker von Babi Jar. In dieser Schlucht in der Nähe der ukrainischen Hauptstadt Kiew erschoss ein Nazi-Kommando am 29. und 30. September 1941 33 771 Juden. "Dabei handelt es sich um eine historische Tatsache", sagte Oberstaatsanwalt Martin Klose. Gegen Schröcke läuft ebenfalls ein Verfahren wegen Volksverhetzung.

Grabert nahm gestern vor dem Urteilsspruch, nachdem er zuvor geschwiegen hatte, Stellung zu der Buchherausgabe. Er könne als Verleger nicht alle Texte persönlich lesen, rechtfertigte er sich - "da muss ich mich auf Mitarbeiter verlassen".

Für das Gericht kommt es aber gar nicht darauf an, ob Grabert das Buch gelesen hat. Es genüge für einen Vorsatz, die Möglichkeit eines strafbaren Inhalt zu erkennen. Bei Grabert hätten schon beim Lesen des Titels alle Alarmglocken schrillen müssen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel