Wegen möglicher Versäumnisse bei den Ermittlungen im Fall des toten Neonazis Florian H. laufen Disziplinarverfahren gegen drei Polizisten. Das bestätigte ein Sprecher des Innenministeriums in Stuttgart. Florian H. war im Herbst 2013 in einem brennenden Wagen in Stuttgart gestorben. Die Polizei ging sehr schnell von Suizid aus und durchsuchte das ausgebrannte Fahrzeug damals allen Anzeichen nach nur oberflächlich.

Heute will der Präsident des Polizeipräsidiums Stuttgart, Franz Lutz, im NSU-Untersuchungsausschuss des Landtags in nicht-öffentlicher Sitzung den Stand der Disziplinarverfahren erläutern. Am Mittwoch äußert sich dazu auch Innenminister Reinhold Gall (SPD) - allerdings im Innenausschuss. Der frühere Neonazi Florian H. hatte erklärt, er kenne die Mörder der Polizistin Michèle Kiesewetter, die 2007 in Heilbronn getötet worden war - mutmaßlich vom rechtsterroristischen "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU).

Der Ausschuss geht heute auch Hinweisen auf eine "Neoschutzstaffel" (NSS) im Raum Heilbronn nach. Gab es dort eine von den Sicherheitsbehörden unbemerkte, rechtsextremistische Organisation? Florian H. hatte den Ermittlern von so einer Vereinigung berichtet und einen Mitglied mit Spitznamen "Matze" benannt. "Matze" konnte erst kürzlich von den Ermittlern identifiziert werden.