Stuttgart Verbotenes Facebook-Posting mit Foto aus dem Knast

Gitter, Nato-Draht und hohe Mauern: Sie können nicht verhindern, dass in die Justizvollzugsanstalt Heimsheim regelmäßig Handys geschmuggelt werden.
Gitter, Nato-Draht und hohe Mauern: Sie können nicht verhindern, dass in die Justizvollzugsanstalt Heimsheim regelmäßig Handys geschmuggelt werden. © Foto: Gitter, Nato-Draht und hohe Mauern: Sie können nicht verhindern, dass in die Justizvollzugsanstalt Heimsheim regelmäßig Handys geschmuggelt werden.
Stuttgart / BETTINA GRACHTRUP, DPA 28.05.2016
In Heimsheim machen Häftlinge Fotos mit eingeschmuggelten Mobiltelefonen und stellten eines online. Beamten können nur begrenzt etwas dagegen tun.

Hunderte Handys sind in den vergangenen Jahren verbotenerweise in baden-württembergische Haftanstalten eingeschleust worden. Allein vergangenes Jahr wurden 429 Mobiltelefone sichergestellt, wie das Justizministerium gestern mitteilte, 2014 waren es 366. Im laufenden Jahr entdeckten die Beamten bislang 110 Handys. In der Haftanstalt Heimsheim (Enzkreis) machten Häftlinge Fotos mit Handys und luden wohl mindestens ein Bild auf Facebook hoch. Eine Sprecherin des Justizministeriums bestätigte einen Bericht der „Bild“-Zeitung.

In Haftanstalten sind Handys und Smartphones generell verboten, weil sich Gefangene mit ihrer Hilfe zu Straftaten absprechen könnten. Da die Mobiltelefone aber immer kleiner werden, können sie auch immer einfacher am Körper und in Körperöffnungen versteckt werden. Im Gefängnis in Heimsheim versuchten Unbekannte im vergangenen Sommer sogar, Handys mit einer Drohne in die Haftanstalt zu schmuggeln. Das Fluggerät stürzte damals aber vor den Gefängnismauern ab.

Manchmal werden Handys auch einfach über die Mauern geworfen. Wie die Häftlinge im jüngsten Fall an die Geräte kamen, war noch nicht bekannt. Die Heimsheimer Anstaltsleitung versuchte gestern, die Handys innerhalb der Einrichtung zu orten. Mehrere Hafträume seien in der Folge durchsucht worden, hieß es.

Wie der Landesvorsitzende des Bundes der Strafvollzugsbediensteten, Alexander Schmid, sagte, sind Handys neben Drogen eine begehrte Schmuggelware in Haftanstalten. Ganz lösen lasse sich das Problem nicht. Zur Sozialisierung von Gefangenen gehöre, dass sie auch Besuche empfangen dürften – etwa von Familienangehörigen. Das böte freilich Gelegenheiten zur Übergabe eines Mobiltelefons.

Das Stuttgarter Justizministerium verweist darauf, dass verdachtsunabhängige Durchsuchungen von Besuchern einer Justizvollzugsanstalt rechtlich nicht erlaubt sind. Als eine Gegenmaßnahme hätten einige Gefängnisse bereits „Mobifinder“ angeschafft, die Funksignale aktiver Mobiltelefone innerhalb der Haftanstalt orten können. Werden Gefangene mit Handy erwischt, müssen sie mit Disziplinarstrafen rechnen – etwa mit Freizeitsperren.

Das Thema „Mobifinder“ sieht Verbandsvertreter Schmid allerdings zwiespältig. „Sie müssen ja auch einen Menschen haben, der darin geschult wird und ständig mit den Geräten arbeitet. Wir haben aber in Baden-Württemberg ein enormes Personaldefizit“, erklärte er. In den 17 Haftanstalten und 24 Außenstellen des Landes arbeiten nach Schmids Angaben derzeit rund 3800 Vollzugsbedienstete. Im Bundesvergleich mit anderen Flächenländern wie Nordrhein-Westfalen, Hessen und Bayern fehlten im Südwesten rund 230 Personalstellen. „Das wäre das, was wir haben müssten, um den Durchschnitt der anderen Länder zu erreichen“, sagt Schmid.

Handys sind im Gefängnis zwar verboten. Aber telefonieren dürfen Gefangene – auch, um den Kontakt zur Außenwelt nicht zu verlieren. Dazu gibt es nach Angaben des Justizministeriums eigens eingerichtete Festnetztelefone.