Der Landesverband der Pflege- und Adoptivfamilien (Pfad) fordert mehr Standards, auf die sich Pflegefamilien verlassen können. Momentan entscheide jedes Jugendamt für sich in einem weit gesteckten gesetzlichen Rahmen, beklagt die Vorsitzende von Pfad in Baden-Württemberg, Jasmin Heier. Zwar könne das Landesjugendamt Empfehlungen ausgeben. "Aber es ist Sache der Ämter vor Ort, ob und wie sie diese umsetzen."

Grundregeln wie die Höhe des Pflegegeldes sind bundesweit festgelegt. Aber schon bei dem Geld, das die Pflegeeltern für die Aufnahme und Erziehung der Kinder erhalten hätten die Jugendämter Spielraum. "Eigentlich zahlen sie im Monat 250 Euro für beide Elternteile", sagt Heier, deren Verband rund 350 Mitglieder im Südwesten vertritt. "Wenn man besonders verhaltensauffällige oder intensiv zu betreuende Pflegekinder hat, wird empfohlen, einen doppelten Betrag zu bezahlen." Das liege aber im Ermessen des einzelnen Jugendamtes.

Viele Pflegekinder kämen mit psychischen Problemen. Viele hätten Gewalt oder Missbrauch erlebt, seien traumatisiert oder alkoholgeschädigt. "Jugendämter können da sagen, deren Betreuung honorieren wir und zahlen mehr. Es gibt aber auch Ämter, die sagen: Das gibt es nicht", berichte Heier. Auch über Brillen-Zuzahlungen entscheide das Amt. "Wir wünschen uns, dass es mehr verpflichtende Qualitätsstandards gibt", sagt Heier.

"Wenn momentan eine Pflegefamilie innerhalb von Baden-Württemberg umzieht, ändern sich oft viele Konditionen." Ein weiteres Problem: Das Pflegeverhältnis endet mit dem 18. Geburtstag des Kindes. "Da sind die wenigsten Pflegekinder schon so weit, ihre Koffer zu packen und selbstständige Wege zu gehen", sagt Heier.

Zwar sei es auch hier möglich, danach noch Hilfen zu bekommen. "Manche Jugendämter weisen rechtzeitig darauf hin. Es gibt aber auch welche, die sagen einfach nichts oder verweigern eine Verlängerung." Das müsse eigentlich automatisch laufen, damit Hilfe bis zum 21. Geburtstag möglich ist.

Manche Pflegefamilien würden zudem verdächtigt, die Kinder nur aus finanziellen Gründen aufzunehmen. "Das ist Quatsch", sagt Heier. "Wenn man das rechnet - 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche - kommt man auf einen so geringen Stundenlohn, das ist eher eine Aufwandsentschädigung."