Genug ist genug. Und 161,53 Meter sind nicht nur genug, sondern: ganz sicher zu viel. Dieser Meinung sind Markus Barth und Sylvia Berger vom Vegetarierbund (Vebu) Laupheim und Schwendi (Kreis Biberach). 161,53 Meter? Das ist exakt die Höhe des Ulmer Münsterturms, dessen Fertigstellung vor 125 Jahren im Jahr 2015 mit großem Hallo gefeiert wurde.

Doch um den Kirchturm, bis heute der größte der Welt, geht es nur indirekt; Stein der Anstoßes ist ein andere Weltrekord, ein geplanter: Die Ulmer Fleischerinnung hatte Mitte Mai angekündigt, den weltlängsten Leberkäs’ zu backen. Auf dem 40. Saumarktfest Mitte Juni in der Ulmer Altstadt soll der Rekordversuch starten. „Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass wir Metzger auch noch da sind“, sagte Raimund Hörmann, Obermeister der  Ulmer Fleischerinnung. So hat er auf Plakatwänden den provokanten Slogan anschlagen lassen: „Wer hat den längsten?“

Der Plan ist, mithilfe der Feinwerktechnik-Schlosser der Uni Ulm einen 165 Meter langen Backofen entlang der Donau aufzubauen, um der Guinnessbuch-Konkurrenz aus Zwiesel den Rekord mit rund 100 Metern abzujagen. In drei Stunden soll der Käs’ verputzt sein – dann startet das Fußball-EM-Duell Deutschland-Ukraine. Der Erlös komme dem Münster zugute.

Indes: Nicht alle finden die Idee der Fleischerinnung weltmeisterlich – eben die Vebu-Aktivisten. Sie kontern mit einer Gegenveranstaltung. „So eine Ressourcenverschwendung geht gar nicht“, findet Sylvia Berger. 60 bis 70 Schweine müssen für den Leberkäs’ ihr Leben lassen, hat der Vebu ausgerechnet. Und so organisiert die vegane Szene der Region ihr Fest am selben Tag. „Unser Ziel ist es, die Leute abzuholen“, sagt Berger, „und sie davon zu überzeugen, dass es schmackhafte Alternativen gibt.“

Vom späten Vormittag an gibt es deshalb hundert Meter entfernt vom Donauufer in Ulms Neuer Mitte  vegane Leckereien. Die Tierschützer von Peta werden ebenso vor Ort sein wie die Albert-Schweizer-Stiftung, die mit einem „Grunzmobil“ eigens aus Berlin angefahren kommt. In dem Anhänger, durch ein fünf Meter langes Schwein auf dem Dach nicht zu übersehen, will die Stiftung mit Filmen über moderne Tierhaltung aufklären. Dazu singt Musikerin PhoeNic Tierschutzlieder. Und natürlich gibt‘s allerlei Stände mit Infomaterial.

Auch diese Veranstaltung ist übrigens rekordverdächtig: Es soll die bei Weitem größte Veganer-Veranstaltung werden, die Ulm bislang gesehen hat. Allerdings plant Vebu des Weiteren keinen alternativen Rekordversuch – weder mit einem münsterturmlangen Kastenkuchen noch mit Salat im Swimmingpool. „Als Veganer schaut man ja, dass nichts weggeworfen wird“, sagt Vebu-Aktivist Barth.

Ist der Rekordversuch also eine Verschwendung von Lebensmitteln? Die Macher widersprechen: „Ressourcenverschwendung wäre, wenn ich den Leberkäse in die Donau werfen würde“, sagt Hörmann. „Da stirbt auch nicht eine Sau mehr oder weniger, die werden eh geschlachtet.“