Urteil Urlaub: Betrogen statt erholt

Auf diese Postkarten-Kulisse hatten sich die Urlauber in San Felice am Gardasee gefreut.
Auf diese Postkarten-Kulisse hatten sich die Urlauber in San Felice am Gardasee gefreut. © Foto: Bildagentur Zoonar GmbH/Shutterstock.com
Mannheim / Raimund Weible 15.08.2018

Gerhard B. verließ am Dienstag kurz nach 13 Uhr ziemlich wütend den Saal 2 des Landgerichts Mannheim. Ihn ärgerte, dass der Angeklagte, der ihm und seinen Freunden die Urlaubsfreude vergällt hatte, das Gericht als freier Mann verlassen konnte. Denn die Kammer hatte eine Bewährungsstrafe verhängt und den Haftbefehl gegen den 28-jährigen Niederländer aufgehoben – mit Rücksicht auf dessen angeschlagener Gesundheit.

Arkadiusz D. war Mitglied einer Bande, die in großem Stil über das Internet Ferienvillen am Gardasee vermittelt hatte. Die Immobilien waren zwar existent, doch ihre Eigentümer dachten nicht im Traum daran, ihre Häuser an Fremde zu vermieten. Reingelegt hatten die Betrüger auch Gerhard B. und seine zehn Freunde aus dem Kreis Reutlingen. Ihnen vermakelten sie eine Villa in San Felice am rechten Ufer des Gardasees gegen Vorkasse. Als die Freunde aus dem Kreis Reutlingen am Pfingstsamstag vergangenen Jahres anreisten, erlebten sie nach zwölf Stunden Fahrt eine Riesenenttäuschung. Auf ihr Läuten öffneten drei Frauen und erklärten ihnen, dass ihr Haus nicht zur Verfügung stehe. Das auf ein Kölner Konto überwiesene Geld, 2026,20 Euro für eine Woche, war futsch.

Cybercrime-Experten ermitteln

Ähnlich erging es mehr als 200 weiteren Kunden der Firma „Villa Lux“. Insgesamt wurden die betrogenen Gardasee-Urlauber um insgesamt 370 000 Euro gebracht.

Die Betrüger hatten ihr Online-Portal „VillaLux“ vom 3. Februar bis 6. Juni 2017 betrieben. Dann flog der Betrug auf. Währenddessen war es den Kriminellen gelungen, einen Großteil des Geldes in die Krypto-Währung Bitcoin umzuwandeln. Die Cybercrime-Spezialisten des Polizeipräsidiums Offenburg forschten nach und vermochten Vermögenswerte von über 400 000 Euro sicherstellen. Zum Teil stammte das Geld noch von anderen Internet-Straftaten.

Spanische Kriminalpolizisten nahmen Arkadiuzs D. Ende November 2017 auf dem Flughafen von Madrid fest. Von seinen beiden Komplizen fehlt jedoch nach Angaben von Staatsanwältin Beate Cohrs bisher noch jede Spur. Sie hatten über die Internet-Plattform „Crimenetwork“ Kontakt mit Arkadiusz D. aufgenommen und ihn damit beauftragt, die bestehende Firma „VillaLux“ zu kaufen und Konten bei Kölner Banken einzurichten.

Über das Internet-Portal schrieben die Betrüger Ferienimmobilien am Gardasee aus. Die Seite habe völlig professionell gewirkt, auch die Abwicklung des Geschäfts, berichtete der betroffene Gerhard B. Erst hinterher fiel B. auf, dass die Telefonnummer der Firma nicht stimmen konnte: Der Anschluss unter der Kölner Vorwahl hatte die Ziffernfolge 1234567.

Die Staatsanwältin forderte am Dienstag als Strafmaß für den geständigen Arkadiusz D. drei Jahre und acht Monate. Das Gericht wertete jedoch die schwere Gen-Erkrankung des Angeklagten zu dessen Gunsten und verhängte nur zwei Jahre Haft auf Bewährung. Positiv stellte die Kammer auch in Rechnung, dass sich Arkadiusz D. bereits mit 35 000 Euro daran beteiligt hatte, den Schaden zu mindern.

Der Haftbefehl wurde aufgehoben. Der Angeklagte erklärte noch im Gerichtssaal seinen Verzicht auf Rechtsmittel. Die Staatsanwaltschaft bat sich Bedenkzeit aus.

Entschädigung erwarten können die Opfer der Cyber-Kriminellen erst, wenn das Urteil rechtskräftig wird. Laut Staatsanwältin Cohrs reicht das bisher sichergestellte Geld nicht aus, um die vollen Beträge zurückzuzahlen.

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„Villa Lux“-Geschädigte listet die Staatsanwaltschaft Mannheim auf, die deutschlandweit die Anzeigen
bearbeitetet hatte.

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