Rems-/Filsbahn Ausfälle und Verspätungen: Bahn droht Millionenstrafe

Der Bahn im Südwesten droht Millionenstrafe
Der Bahn im Südwesten droht Millionenstrafe © Foto: Markus Sontheimer
Stuttgart / Fabian Ziehe 10.09.2018
Die Bahn bekommt bei Rems- und Filsbahn Ausfälle und Verspätungen kaum in den Griff. Ein Problem ist das Personal.

Es war kein guter Sommer für die Remsbahn – „schlimmer denn je“, „absolute Katastrophe“ klagen Fahrgäste, die oft zwischen Stuttgart- und Aalen unterwegs sind. Die Statistik gibt ihnen recht: Zwischen Ende Juni und Anfang September war im Schnitt jeder zehnte, im Juli gar jeder fünfte Zug verspätet  – was sechs Minuten Abweichung vom Fahrplan oder mehr meint.

„Während der Hitzewelle Ende Juli gab es leider überdurchschnittlich hohe Zugausfälle wegen Gleisverwerfungen und nicht funktionierender Klimaanlagen“, erklärt das Verkehrsministerium. Hinzu kam eine Baustelle sowie überfüllte Wagons. Auf der Strecke fuhren wiederholt ältere Züge – sogar die schon in den Ruhestand verabschiedeten „Silberlinge“, sagt der Landeschef des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), Matthias Lieb.

Auch wegen der Filsbahn sind die Leserbriefspalten mit Fahrgast-Protesten gut gefüllt. Betrachtet man nur die Regionalexpress- und Regionalbahn-Verbindungen zwischen Stuttgart und Ulm, liegt die Pünktlichkeit zwischen 83,1 und 88,3 Prozent der Züge. Die Südbahn, die im Filstal verkehrt, aber nur in Plochingen, Göppingen und Geislingen hält, verbessert den Zehn-Wochen-Schnitt nur leicht.

Fernverkehr vs. Regionalverkehr

Die Gründe für diese Verspätungen sind vielfältig. Im Gespräch mit Bahn-Mitarbeitern werden Personalnot und Fahrplanmängel genannt. Auch das Zugmaterial macht Probleme – dort setzt das Verkehrsministerium auf die neuen Züge, die Go-Ahead als künftiger Betreiber einsetzen will:

„Im Filstal besteht aber das strukturelle Problem, dass wir die Strecke mit dem Fernverkehr zusammen benutzen müssen, der im Verspätungsfall Vorrang erhält“, sagt ein Sprecher des Verkehrsministeriums. Amtschef Uwe Lahl hat deshalb Ronald Pofalla, der im Bahn-Vorstand für das Netz zuständig ist, angeschrieben: Es sei nötig, die „unflexible Vorrangregelung“ zu überdenken.

Die Bahn antwortet eher ungefähr auf die Anfrage wegen der Verspätungen. „Auch wenn die Lage sich insgesamt in Baden-Württemberg stabilisiert hat, gibt es an einzelnen Stellen immer wieder betriebliche Herausforderungen“, erklärt ein Bahnsprecher. VCD-Chef Lieb wird da deutlicher. Als im Frühjahr sich eine Initiative von DB Regio und Verkehrsministerium zur Qualitätsverbesserung jährte, erklärten beide, man habe schon „einiges erreicht“. Nach dieser „Erfolgsberichterstattung“, so Lieb, sei die Leistung aber wieder abgefallen.

Pünktlichkeit wird immer schlechter

Lag man in den ersten 18 Wochen 2018 bei der Pünktlichkeit noch bei 91,7 Prozent, läge man nun im Jahresschnitt bei 90,9 und in der Kalenderwoche 34 gar nur bei 89,6 Prozent. Damit rutscht die Bahn wieder in den roten Bereich entsprechend eines Clusters, das nach der Intervention des Landesverkehrsministeriums 2016 eingeführt wurde.

Der DB Regio drohen also 2018 neue Strafen. Neben einem teuren Erstattungsprogramm für Pendler  musste die Bahn für 2017 rund 11 Millionen Euro ans Land bezahlen. Ob und welche Strafe 2018 droht, ist unklar: Die Abrechnung erfolge erst 2019, so das Verkehrsministerium.

Im Fokus steht derweil weiter die Personalsituation – gerade bei Strecken der „Stuttgarter Netze“, die ab Sommer 2019 vom britischen Unternehmen Go-Ahead (Fils- und Remstalbahn) und dem niederländischen Anbieter Abellio (Neckartalbahn) übernommen werden. Die Bahn will bundesweit bis Jahresende 19.000 Mitarbeiter einstellen – aktuell sei man bei 13.300 Einstellungszusagen, so ein Bahnsprecher. Allerdings herrscht im Südwesten Vollbeschäftigung.

Lokführer sind Mangelware

Gerade die Verbindungen, die von der Konkurrenz übernommen werden, bereiten Probleme. „Die DB Regio gibt ihr Personal ungern ab“, sagt Martin Herion, Geschäftsstellenleiter der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft in Stuttgart. Die Bereitschaft zum Wechsel zur Konkurrenz sei „nicht sonderlich hoch“. Lokführer seien im Südwesten zudem eh Mangelware – zumal die Dienstpläne, das Schichtensystem, der Arbeitsdruck und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessert werden müssten.

Allerdings haben Go-Ahead und die DB Regio vereinbart, bei der Ausbildung zusammenzuarbeiten – auch, um künftigen Lokführern  die nötige Streckenkunde zu vermitteln. Diese Kooperation sei „nicht immer einfach“ sagt Go-Ahead-Deutschlandchef Stefan Krispin. „Aber ein Gegeneinander macht keinen Sinn.“ Aktuell seien 16 neue Lokführer in der Ausbildung, und für den nächsten Jahrgang sehe es noch besser aus. Dennoch wirbt Go-Ahead weiter um jeden Bahn-Mitarbeiter, der auf der Fils- oder Remstalbahn weiter fahren will.

Ob zwischen Stuttgart, Aalen und Ulm 2019 alles besser wird, ist noch nicht gesagt. „Ich habe da keine großen Hoffnungen“, sagt Stefan Buhl, Landeschef des Fahrgastverbandes Pro Bahn. Er sehe den Anbieterwechsel „leidenschaftslos“, zumal das weder die Probleme beim Personal noch bei der Schienen-Infrastruktur löse. Und doch fügt er hinzu: „Wir hoffen das Beste.“

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