Als erste Universität in Deutschland bietet Tübingen vom kommenden Wintersemester an einen Masterstudiengang für islamische Seelsorge und Sozialarbeit an. „Der neue Masterstudiengang füllt eine akademisch bisher wenig erschlossene Lücke“, sagte der Studiendekan des Tübinger Zentrums für Islamische Theologie (ZITH), Mouez Khalfaoui, am gestrigen Mittwoch.

Der Studiengang mit dem Titel „Praktische Islamische Theologie für Seelsorge und Soziale Arbeit“ soll vier Semester dauern und islamische Religionswissenschaftler und Theologen auf die künftige Arbeit als Seelsorger in Krankenhäusern, Gefängnissen, in der Flüchtlingsarbeit, beim Militär, in Schulen, in der Altenhilfe oder aber in Moscheegemeinden vorbereiten.

Es gibt im Südwesten bereits ehrenamtliche islamische Seelsorger, die bisher vom Verein „Mannheimer Institut für Integration und interreligiösen Dialog“ für diese Tätigkeit ausgebildet werden. Seit dem Jahr 2012 haben nach Angaben des Geschäftsführers Talat Kamran 120 Ehrenamtliche die Schulung mitgemacht. Kamran begrüßt allerdings den neuen Studiengang in Tübingen – ebenso wie der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde Deutschland, Gökay Sofuoglu. „Dass die Ausbildung jetzt auf Ebene der Universität stattfindet, ist eine neue qualitative Entwicklung“, sagte Sofuoglu. Das Tübinger Zentrum für Islamische Theologie besteht seit knapp fünf Jahren und hat derzeit 170 Studierende.

Der neue Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha (Grüne) sieht Bedarf an professionell ausgebildeten muslimischen Seelsorgern im Land. Bei Schicksalsschlägen oder anderen Notlagen bräuchten die Menschen jemanden, der ihnen zuhöre und sie tröste. „Wenn ihnen ein Seelsorger mit profunden Kenntnissen des eigenen religiösen und kulturellen Hintergrunds beistehen kann, ist das nur zu begrüßen“, sagte Minister Lucha. Gerade in den Gefängnissen spielten solche Seelsorger etwa eine wichtige Rolle, um auch einer möglichen gefährlichen Radikalisierung von Häftlingen vorbeugen.