Karlsruhe UN-Mitarbeiter entführt: Flüchtling droht härtere Strafe

Ein hölzerner Hammer liegt auf der Richterbank in einem Verhandlungssaal des Landgerichts. Foto: Uli Deck/Archiv
Ein hölzerner Hammer liegt auf der Richterbank in einem Verhandlungssaal des Landgerichts. Foto: Uli Deck/Archiv © Foto: Uli Deck
Karlsruhe / DPA 23.08.2018

In einem Prozess in Stuttgart um die Entführung eines kanadischen UN-Mitarbeiters in Syrien muss das Strafmaß neu verhandelt werden. Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe hob am Donnerstag das Urteil gegen einen daran beteiligten syrischen Flüchtling in diesem Punkt auf. Damit hatte die Revision der Bundesanwaltschaft Erfolg. Sie will, dass der Mann nicht nur wegen Beihilfe, sondern als unmittelbarer Täter und Mittäter verurteilt wird. (Az. 3 StR 149/18)

Nach früheren Angaben der Bundesanwaltschaft war der Angeklagte der erste Flüchtling, der sich wegen eines Kriegsverbrechens in Syrien vor einem deutschen Gericht verantworten musste.

Der Kanadier war 2013 verschleppt und acht Monate lang gefangen gehalten worden, ehe er entkommen konnte. Die Gruppe, die ihn entführte, wollte mehrere Millionen US-Dollar Lösegeld. Der Angeklagte hielt sich immer wieder in der Villa auf, wo der Mann festgehalten wurde. An sieben Tagen übernahm er die Aufgabe, ihn zu bewachen, zur Toilette zu bringen und wieder einzusperren.

Das Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart hatte den damals 26-Jährigen im September 2017 zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt, wegen Beihilfe zu erpresserischem Menschenraub, schwerer Freiheitsberaubung sowie Kriegsverbrechen gegen humanitäre Operationen. Die Richter hielten dem Mann zugute, dass er in der Gruppe wenig zu sagen hatte, eine eng begrenzte Aufgabe übernahm und andere die Entscheidungen trafen.

Die Bundesanwaltschaft hatte im Prozess sieben Jahre Haft gefordert. Auf ihr Rechtsmittel stellte der BGH nun die Täterschaft fest. Schließlich habe der Mann den Kanadier immer wieder selbst in sein Zimmer gesperrt, sagte der Vorsitzende Richter Jan Gericke bei der Verkündung. Über seine Strafe muss nun ein anderer Senat am OLG neu entscheiden, die Feststellungen zum Sachverhalt bleiben bestehen.

Mitteilung des OLG Stuttgart zum Urteil, 20.09.2017

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel