Obersulm/Ellwangen / HGF/LSW  Uhr
Steinewerfer auf eine Asylunterkunft im Dorf des Innenministers Gall hat die Polizei geschnappt. In Ellwangen warnt der OB vor dem Kollaps.

Das Wohnhaus von Innenminister Reinhold Gall in einem Ortsteil von Obersulm (Kreis Heilbronn) ist nur wenige hundert Meter entfernt von einer Sammelunterkunft. Dennoch gab es dort zwei Übergriffe von Steinewerfern, die jetzt von der Polizei ermittelt werden konnten. Die Tatverdächtigen im Alter von 16, 19 und 27 Jahren haben Teilgeständnisse abgelegt. Über Hintergründe und Motive konnte die Polizei gestern noch nichts mitteilen. Die Steine waren von einer nahegelegenen S-Bahn-Haltestelle auf das Haus geworfen worden. Verletzt wurde dabei niemand.

Wegen der Angriffe hatte die Polizei ihre Streifen verstärkt. Als ein Bewohner des Heimes am Dienstagabend Alarm schlug, weil er einen Mann mit einem Stein in der Hand gesehen hatte, rückten zwei Streifen und eine Hundestaffel aus. 15 Migranten waren den Kontrahenten bereits entgegengetreten, weshalb diese geflüchtet waren.

Wegen der Überbelegung der Landeserstaufnahmeeinrichtung (LEA) in Ellwangen (Ostalbkreis) schlägt Oberbürgermeister Karl Hilsenbeck Alarm: Der Kollaps stehe an, wenn nicht gegengesteuert werde, schreibt der Ellwanger Rathauschef an Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD). 3121 Menschen seien mittlerweile in der LEA untergebracht, eine Entlastung dringend nötig. "Unsere Bürgerschaft, der Gemeinderat sowie die hauptamtlichen und ehrenamtlichen Kräfte in der LEA wie auch ich selbst erwarten Maßnahmen und zwar sofort", schreibt Hilsenbeck.

Die Gewerkschaft der Polizei zeigte sich empört darüber, dass Bereitschaftspolizisten zusätzlich Flüchtlingsunterkünfte schützen sollen. Da die Beamten bei den Polizeipräsidien abgezogen werden, fehlten sie zum Beispiel bei Fußballspielen und Demonstrationen, sagte Gewerkschaftschef Rüdiger Seidenspinner. Der Schutz der Aufnahmeeinrichtungen und der Asylbewerber habe für die Beamten zwar oberste Priorität. "Auf Dauer kann die Polizei diese gigantische Herausforderung aber nicht leisten", betonte Seidenspinner.