Tübinger Stein des Anstoßes erinnert an Kriegsdienstverweigerer

Gedenkstein für Kriegsdienstverweigerer in Tübingen.
Gedenkstein für Kriegsdienstverweigerer in Tübingen. © Foto: Madeleine Wegner
ALFRED WIEDEMANN 26.09.2016

Das man in Stein macht, das bleibt“, sagt Albert Mayr. Stolz steht er neben seinem „Gedenkstein für den Unbekannten Kriegsdienstverweigerer“. Ein Stein, den er aus Protest vor 30 Jahren vor einer Tübinger Kirche einbetoniert hatte. Ein Stein, der nun offiziell einen festen Platz im Süden der Stadt fand. An einem symbolträchtigen Ort: im Französischen Viertel, einem ehemaligen militärisch genutzten Gebiet, das heute schickes Wohnviertel ist. Der Gedenkstein steht nahe dem „Platz des Unbekannten Deserteurs“. Im Wald in der Nähe ließen Nazis Deserteure erschießen. Für den Ort hat sich der Gemeinderat einstimmig ausgesprochen. Auch Erste Bürgermeisterin Christine Arbogast zog bei den Feierlichkeiten zur Aufstellung des Gedenksteins diese Parallele.

Das von Mayr geschaffene Relief auf dem Stein zeigt zwei Hände, die Gitterstäbe umklammern. Mayr selbst saß sechs Monate ein, weil er Kriegs- und Zivildienst verweigerte. Im April 1985 platzierte Mayr sein Werk in der Nacht vor der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche. Das sorgte damals für heftige Diskussionen in der Gemeinde, Mayr musste den Stein wieder entfernen. Nach einer Zwischenstation vor dem Jugendhaus der Bonhoeffer-Gemeinde geriet der Stein in Vergessenheit: 1993 hatte der Gemeinderat beschlossen, ihn dem ehemaligen Jugendpfarrer zu überlassen. Dieser nahm ihn mit nach Rottenburg.

Eine Gruppe Tübinger Bürger setzte sich ein Jahr lang dafür ein, den Stein nun offiziell als Friedens-Mahnmal aufzustellen. Zu dem kleinen Festakt war auch Mayr angereist, der heute in Hannover lebt. Abrüstung und Kriegsdienstverweigerung reichen seiner Ansicht nach nicht aus, um für Frieden zu sorgen.

Weltfrieden stiften? Kein Problem. In der als Zeitzeugen-Gespräch angekündigten Podiumsdiskussion rührt Mayr kräftig die Werbetrommel für eine „Entspannungstechnik“, die sich „Transzendentale Meditation“ nennt, und die er selbst lehrt. Mayr ist abgehoben. „Ich kann tatsächlich fliegen“, sagt er. Freilich noch nicht so lange und so hoch über den Bäumen wie der Heilige Franz von Assisi. Doch immerhin, diese Entspannungsmethode in den vergangen Jahrzehnten zu praktizieren, damit habe er „schon mehr getan für den Frieden als die ganze Friedensbewegung zusammen“, sagt Mayr.

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