Öffentlicher Nahverkehr Tübingen kämpft um kostenlosen Stadtverkehr

Tübingen könne als bundesweit einzige Kommune schon ein fertiges Konzept für den kostenlosen Nahverkehr vorweisen.
Tübingen könne als bundesweit einzige Kommune schon ein fertiges Konzept für den kostenlosen Nahverkehr vorweisen. © Foto: Schwäbisches Tagblatt
Tübingen / Matthias Stelzer 25.04.2018
Der Tübinger Gemeinderat wird am Donnerstag erneut einen Anlauf nehmen, Modellstadt für den kostenlosen öffentlichen Nahverkehr zu werden.

Das Gremium wendet sich mit einer Resolution an die Bundesregierung und erbittet Unterstützung für einen zweijährigen Versuch.

Tübingen könne als bundesweit einzige Kommune schon ein fertiges Konzept für den kostenlosen Nahverkehr vorweisen. Dafür müssten Fahrgeldeinnahmen von rund 9 Millionen Euro pro Jahr ersetzt und zusätzliche Kosten von etwa 6 Millionen Euro gestemmt werden, erklärte Tübingens grüner Oberbürgermeister Palmer gegenüber der SÜDWEST PRESSE. In Tübingen würden derzeit schon etwa 20 Millionen Fahrgäste pro Jahr im ÖPNV transportiert. „Durch das Entfallen des Fahrpreises rechnen wir mit einem Drittel mehr Fahrgästen“, sagte Palmer.

Ein Qualitätssprung

Deshalb müsse die Kapazität des Busverkehrs ausgebaut werden. Das sei kurzfristig möglich, weil Tübingen nur Busse – und keinen Schienenverkehr mit längerer Planungs- und Bauzeit – im Nahverkehr einsetzt. Danach könne Tübingen „eine Mobilitätsgarantie im Stadtgebiet“ geben: maximal 300 Meter zur nächsten Bushaltestelle und dort mindestens alle halbe Stunde ein Bus. Auf den Hauptlinien könnten die Stadtwerke vom heute üblichen 15-Minuten-Takt auf einen 10-Minuten-Takt verdichten. Palmer ist überzeugt: „Das ist ein Qualitätssprung.“

Mit der Resolution will die Stadt erreichen, dass Tübingen tun darf, was fünf andere deutsche Städte schon abgelehnt haben. Essen, Bonn, Mannheim, Herrenberg und Reutlingen waren von der Bundesregierung als Modellstädte für Luftreinhaltemaßnahmen ausgesucht worden. Die Idee eines komplett kostenlosen Nahverkehrs wollte keine der fünf Kommunen angehen.

„15 Millionen Euro im Jahr für einen Versuch, der uns viele Erkenntnisse bringen kann. Ich denke, das sollte für den Bund finanzierbar sein“, meint Palmer. Vorstellen könnte sich der Oberbürgermeister aber auch eine Kostenteilung. „Wir sind ja auch bereit, Geld in die Hand zunehmen.“ 6 Millionen von Bund, 6 Millionen aus dem Stadtsäckel und 3 Millionen Euro vom Land – das könnte Palmer vorstellen.

In Vorgesprächen mit dem Bundesumweltministerium und dem Verkehrsministerium will der Tübinger Oberbürgermeister schon auf „Interesse an unserem Konzept“ gestoßen sein. Und aus Stuttgart gebe es Signale, dass das Land mitfinanziert, wenn der Bund für Tübingen einen Modellversuch auflegt.