Burladingen Trigema-Chef Grupp vermittelt in Burladingen

Textilunter­nehmer  Grupp (rechts) mit Burladingens Bürgermeister Ebert: Grupp will die Wogen zwischen Rathaus­chef und Gemeinderäten glätten.
Textilunter­nehmer  Grupp (rechts) mit Burladingens Bürgermeister Ebert: Grupp will die Wogen zwischen Rathaus­chef und Gemeinderäten glätten. © Foto: Hardy Kromer
Matthias Badura 03.02.2017
Im Burladinger Streit um Bürgermeister Eberts Facebook-Kommentare über Gemeinderäte und Flüchtlingshelfern will Unternehmer Grupp vermitteln.

In Burladingen, ein Städtchen mit 13.000 Einwohnern im Zollernalbkreis, hat der Gemeinderat dem Bürgermeister Harry Ebert die Zusammenarbeit aufgekündigt. Dem Stadt­oberhaupt werden massive Beleidigungen von Gemeinderäten und Flüchtlingshelfern vorgeworfen. Zudem geht es auch um seine Nähe zur AfD.

Während des Landtagswahlkampfes 2016 hatte der seit 1999 amtierende, parteilose Bürgermeister und vormalige Polizeibeamte an seine Facebook-Freunde AfD-Werbung verschickt. Ganz offen trat er für die Partei  im Oktober ein, als er in einem Artikel im Burladinger Amtsblatt den Besuch des AfD-Abgeordneten Hans Peter Stauch bei sich im Rathaus darstellte. Darin bat er Stauch, die Bevölkerung weiterhin über die Asylproblematik auf dem Laufenden zu halten. In dem Artikel bezeichnete er zudem die Hechinger Flüchtlingsunterkunft für junge unbegleitete Flüchtlinge als „Internat mit Vollpension“.

Die CDU-Fraktion und die Freien Wähler der Stadt protestierten gegen diesen, wie sie es sahen, Missbrauch des Amtsblattes. Nach einer Vereinbarung hinter verschlossenen Türen zog Ebert den Artikel von der Homepage der Stadt zurück.

Später besuchten Gemeinderäte die vom Zollernalbkreis betriebene Hechinger Unterkunft. Ein Fernsehteam des SWR, das an dem Abend ebenfalls vor Ort war, schickte das Gremium aber vor die Tür. Man wollte sich nicht filmen lassen.

Böse Polemik

Das veranlasste Ebert zu einer Polemik. In einem Facebook-Kommentar benutzte er in Bezug auf die Gemeinderäte den Begriff „Landeier“, sprach von „Asylantenschau“ – „wie in der Wilhelma“. Die Unterkunft, von Landrat Günther-Martin Pauli schon mal als „Leuchtturmprojekt“ gepriesen, betitelte er als „Armleuchterprojekt“.

In der darauf folgenden Gemeinderatssitzung traten Dörte Conradi, CDU, und Alexander Schülzle, Freie Wähler, von ihren Ämtern als Fraktionsvorsitzende zurück. Auch die ehrenamtlichen Bürgermeister-Stellvertreter legten ihre Ämter nieder. „Entschuldigen Sie sich“ und „Schämen Sie sich“, forderte Friedemann Mutschler, CDU. „Treten Sie zurück“, verlangte Ottmar Kuster, gleichfalls CDU. Landrat Pauli leitete am Freitag vergangener Woche ein Disziplinar­verfahren gegen Ebert ein. Dessen Äußerungen, so hieß es in der Begründung, ließen „jeden Respekt vor dem Ehrenamt vermissen“.

Die jüngste Wendung in der Geschichte: Wolfgang Grupp, bundesweit bekannter Inhaber der Burladinger Textilfirma Trigema, hat sich als Schlichter eingeschaltet. Das Vermittlungsgespräch, in das Ebert und die Fraktionen ein­gewilligt haben, soll frühestens kommende Woche stattfinden.  Ob es mit einer Entschuldigung getan ist? Laut Schülzle auf keinen Fall. Der Freie Wähler ahnt schon: „Es geht ­weiter. Ist ja nicht das erste Mal.“ Schon vor dem jüngsten Eklat war das Verhältnis zwischen dem ­Gemeinderat und dem Stadtoberhaupt gestört.